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Morbidität und Mortalität bei den Deutsehen I teeren und bei den in Deutschland internirten kriegsgefangenen Franzosen. p m
M
Die Beleuchtungsanlage war ebenfalls überallgleich: Petroleumlaternen auf Pfählen in ausreichenderAnzahl.
Die benutzten Zelte waren sowohl bei den beschrie-benen Lagern als auch in anderen meist Preussische Mann-schaftszelte für Infanterie zu 15 Manu. Dieselben boten,da sie einen Luftraum von 956 Kubikfuss und eine Grund-fläche von IST Quadratfuss besitzen, bei der genanntenBelegung einen Kubikraum von G3.75 Fuss, einen Boden-quadratraum von 12.5 Fuss für den einzelnen Mann dar.Die Grundfläche war stets mit Strohschüttung versehen,die Dichtung des seitlichen Abschlusses nicht durch Erd-anwurf, sondern in vorschriftsmässiger Weise mittels einerStrohfasehine bewirkt. Neben diesen Zelten kamen nochandere Formen zur Verwendung. Der ursprünglich Kur-hessischen Zelte ist schon gedacht, ebenso der kleineren,viereckigen Preussischen (sogenannte Markisenzelte, ur-sprünglich für (i Mann Kavallerie mit Zaumzeug bestimmt).An einzelnen Orten (z. B. in Spandau) sind auch erbeuteteFranzösische Zelte in Gebrauch gezogen worden. 1 )
Die Zeltlager bewährten sich, so lange trockenes undwarmes Wetter herrschte, vollkommen. Dagegen sah manmit sehr gerechtfertigter Besorgniss der rauheren Jahres-zeit entgegen. Man gab sich die erdenklichste Mühe, dieWinterbaracken in möglichster Schnelligkeit fertig zustellen, und wo noch neue Zelte aufgerichtet werden mussten,deren Benutzung bis in den Winter hinein zu erwartenstand, wurden sie von vornherein mit Dielung und doppeltemZeltmantel versehen. Obwohl jedoch Mitte November derbei Weitem grösste Theil der Zeltlager abgebrochen war,hatten sich doch bereits Uebelstände herausgestellt undEinflus8 auf den Gesundheitszustand ausgeübt. Der Zu-gang an Darmkatarrh und Kuhr, bei den AfrikanischenTruppen auch an Lungenkatarrh und Wechselfieber, mehrtesich von Tag zu Tage. — Auf der Wahn er Ilaide süd-östlich Deutz riss in der Nacht vom 2ü. zum 27. Oktoberein Orkan einen grossen Theil der Zelte und Strohhütteuum, zugleich überschwemmte ein Durchbruch des Fluth-grabens durch den Damm das Lager so vollständig, dassdie noch erhaltenen Zelte zum Theil einen Fuss hoch imWasser standen. 2 ) In den folgenden vier Tagen musstenaus dem Lager, welches 7339 Mann beherbergte, 381 Mann,darunter 30.") wegen Ruhr, dem Lazareth in Cöln übergebenwerden. — Am stärksten machte sich der Finfluss der vor-gerückteren Jahreszeit da geltend, wo auch die Lazareth-anlage provisorisch aus Zelten, Strohhütten und Bretter-buden bestand. Hier blieben ihre Wirkungen auch aufdie Sterblichkeit nicht aus. So waren in der erstenHälfte des Oktober die Unterschiede in der Anzahl derTodesfälle bei ungefähr gleichem Krankenzugange in den
Mainz
10011
9915
7.4 J
7.1,
5.).
0
31
! ) Siehe Wiener medizinische Presse, 1870, No. 41, 8. 822.
2 ) Betreffs ähnlicher Unglücksfälle, welche Lazarethzelten (undLazarethbaracken) zustiessen, siehe das VII. Kapitel im I. Bande diesesBerichtes, insbesondere S. 332.
drei grossen Depots im Bereiche des VIII. Armee]»sehr bedeutend, wie nachstehende Uebersicht zeigt:
C 51 n
Kopfstärke der Depots...... 7439
Zugang in der 1. Dekade des Oktobers 6.3 J
Absolute Zahl der Todesfälle vom 1. bis20. Oktober.......... 1
Eine schleunige Uebersiedelung der Kranken deslauf der Karthause bei Coblenz in die ersten eben fenigestellten Krankenbaracken und in ein zu Lazarethzwedjeingeräumtes Wagenhaus in der Stadt machte diesen IViständen ein Ende.
Bei Beginn des Frühjahrs wurden in einer Reihe TdDepots die Zeltlager nach denselben Grundsätzen iNeuem aufgeschlagen, damit die bis dahin zur Unterbriugmvon Gefangenen benutzten militär-fiskalischen Gebäude«räumt und einer gründlichen Desinfektion und Ausbessereunterzogen werden konnten, bevor man sie ihrerliehen Bestimmung zurückgab.
2. Barackenlager.
a. Lager auf dem Petersberge bei Coblenz.:10 000 Gefangene von Metz bestimmt, die einzelnen ISiiVs-Jin 2 bis 6 Wochen fertiggestellt.
Lagerplatz: 145 Morgen gross. Das Terrain warabschüssig und wurde von Gräben durchzogen, wodurch es jlang, dasselbe vor übermässiger Feuchtigkeit während!Wintermonate zu schützen.
Baracken: 104 Holzbaracken, jede für 100 Mann 1Die einzelne Baracke war 117'/2 Fuss lang, 2272 Foffllund im Durchschnitt 10 Fuss hoch; der Kubikinhalt bttnj26 496 Kubikfuss. Der Fussboden bestand aus 10 Zoll ditligefügten Brettern auf einem Balkenunterbau, die Wände |einer doppelten Bretterlage, deren Fugen mit 1/>iLatten übernagelt, deren Zwischenraum mit Stroh au*war. Asphaltpappe schützte das Bretterdach gegen FeuchtigWDie Fenster waren zum Aufziehen eingerichtet. Jede Buiflenthielt 3 Oefen, 10 Oellarnpen, 20 feststehende Tische Olebensolche Bänke. Zum Nachtlager erhielt jeder Mann iStrohsack, ein Strohkopfpolster und zwei wollene Decken.Strohsäcke wurden zwischen den Seitenwänden und den Fubrettern der Bänke ausgebreitet.
Lageranordnung: Die Front des Lagers lag nach \\m8 Hauptgassen, von je 62'/-'Fuss Breite, wurden durch UNgassen von je 50 Fuss Breite gekreuzt. (Siehe Zeichnungauf S. 179.)
Kocheinrichtung: 6 Küchenbaracken.
Wasserversorgung: Durch eine Abzweigung von dengemeinen städtischen Wasserleitung. Reservoirs, um geEinfrieren geschützt zu sein, in den Boden eingelassen, ffl*jede Nacht mit 25 000 bis 30 000 Quart Wasser gespeis'
Einfriedigung: Drahtzaun.
Lazarethanlage: Siehe Band I dieses Berichtes, S. i
Latrinenanlage: Geregeltes Abfuhrsystem; täglich mmalige Desinfektion mit Karbolsäure. Die Latrinen lagenjder Front des Lagers, von den Baracken ziemlich weit entNEs waren deshalb im Lager selbst einzelne Abtritte zur nai«|liehen Benutzung errichtet.
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