176 Morbidität und Mortalität bei den Deutschen Heeren und bei den in Deutschland internirten kriegsgefangeiien Franzosen. Band |l
11
in den bisher nicht belegten, der Französischen Grenzeund der Küste benachbarten Provinzen. Allenthalben aberwurden Maassregeln getroffen, um die von den Gefangeneneingenommenen Räume für den Winter herzurichten oderdurch Winterunterkünfte zu ersetzen (Ersatz der Zelt- undHüttenlager durch Baracken). Die zu diesem Behufe er-richteten Barackenlager theilen sich in solche, welchenur diesem Kriegsbedarfe dienen und solche, welche zumFriedensgebrauch erhalten bleiben sollten. Brstere be-standen aus einfachen Holzbaracken und wurden in derNähe der meisten grösseren Festungen aufgeschlagen(Königsberg, Posen, Magdeburg, Erfurt, Minden, Wesel,Coblenz, Mainz), letztere hatten ausgemauerte Fachwerks-baracken und entstanden auf den Artillerie-Schiessplätzen.Ihre Grösse sollte so bemessen werden, dass im Frieden jeeine Artillerie-Brigade Unterkunft finden könne. Man hoffte,auf diese Weise für das augenblickliche Bedürfniss unterMitbenutzung der zu errichtenden Ställe und Futterböden,für etwa 6000 Mann in jedem Lager Raum zu gewinnen.Zunächst waren zu diesen Bauten die Schiessplätze beiJüterbog, bei Falkenberg, auf der Spellner Haide beiWesel und auf der Wahner Haide bei Deutz bestimmt.Ihnen folgten später (14. November) die Schiessplätze vonKrekow bei Stettin, von Lerchenberg bei Glogau und aufder Lockstedter Haide in Holstein. Verschiedene Umständetrugen indessen dazu bei, die Anlagen nicht in einemder ursprünglichen Absicht entsprechenden Umfange inGebrauch treten zu lassen. Erstlich waren, da die Gefan-genen selbst nur in sehr beschränktem Maasse zu denBauten herangezogen werden konnten, die nöthigen Arbeits-kräfte kaum zu beschallen, ferner verzögerte sich bei derUeberfüllung aller Bahnen mit Kriegstransporten die Heran-führung der Baumaterialien in sehr beschwerlicher Weise,endlich brach der Winter so aussergewöhnlich früh undheftig herein, dass für schnellere geeignete Unterbringunggesorgt werden musste, zumal eben in Folge der strengenWitterung die Wände der Fachwerksgebäude nur sehrlangsam trockneten. So entstanden auf den meisten Schiess-plätzen neben den Ziegelbau- auch noch gewöhnliche, denoben erwähnten ähnliche Holzbaracken.
Unmittelbar nach dem 2. September blieben zunächstnoch alle früher eingebrachten Gefangenen in den bisherinnegehaltenenRäumen, und auch von der rund 100 800 Mannstarken Armee von Sedan kamen in ganz Deutschland nuretwa 30 000 von vornherein in heizbare Gebäude. Kurzvor dem Eintreffen der Armee von Metz war in Preussendie Einrichtung für den Winter soweit gediehen, dass von98 957 Gefangenen
34 642 in permanenten heizbaren Gebäuden,14 646 in neuerbauten heizbaren Baracken,42 472 in Zelten und7 197 in Strohhüttenlassen.
Wie sehr man auch bei der Erweiterung und NeJanläge von Depots im September schon auf die Eventualität!einer Kapitulation von Metz Rücksicht genommenso erwiesen sich doch die getroffenen Vorbereitungen allnoch nicht genügend, hauptsächlich deshalb, weilkörperliche Zustand, in welchem die Rhein-Armee (etil148 300 Mann) ankam, eine irgend dichtere Zusammen!legung in bereits bewohnten Räumen verbot. Es musaaldaher neben nochmaligen Vergrösserungen der schon kJstehenden Depots die drei oben erwähnten Schiesspialager in Angriff genommen und auch offene Garnisonmuizur Internirung herangezogen werden.
Am 28. November erging, um auch noch fernen!Gefangennahmen in grösserem Maassstabe gegenüber stet|gerüstet zu sein, die Anordnung, dass in Preussen und feiverbündeten Staaten zusammen von nun an stets Raum li50 000 Mann bereit stehen solle. Der Gedanke, zur A»|führung dieser Bestimmung grosse industrielle Etablissemeiit|zu miethen und in Gefangenenkasernements umzugest;erwies sich der hohen Kosten wegen als nicht zweckmäskles musste daher meist auf den Neubau von Winterbarackeiloder Belegung noch disponibler Kasernen zurückgegrifalwerden. Wie nothwendig die dem Befehl vom 28. N-lvember zu Grunde liegende Vorsicht war, geht daraelhervor, dass allein in der Zeit vom 8. Dezember bis zm|11. Januar noch 26 000 Gefangene eintrafen, welchedirekt nach den für den Winter eingerichteten Depots iilstradirt werden konnten.
Schon wurde die Frage wegen Internirung wenigst«eines Theiles der Pariser Armee nach etwaiger Kapiüilatioilin Erwägung gezogen, schon waren zu diesem Zweck I31 000 Mann aus Koblenz, Köln und Mainz in östlDepots übergeführt, als der Schluss des Januar geFriedensaussichten und damit zugleich den Befehl brachuldie in Angriff genommenen Unterbringungsarbeiten ein-lzustellen.
Die Grösse der Aufgabe, welche durch diewendigkeit der Unterbringung der Gefangenen entstanclzeigt am besten eine Gegenüberstellung ihrer Anzahl ider Bevölkerungsziffer. Schon oben ist erwähnt, dass-i'lvom September ab die verbündeten Staaten mit zwei aiflTausend der Bevölkerung betheiligten. In Preussen nlam 1. November die Ziffer 4.2 auf Tausend erreich Iund zur Zeit der höchsten Belegungsstärke hatte keinetlder erstgenannten Staaten weniger als 10, Preussen 11j|Internirte auf Tausend der Bevölkerung.
Im Einzelnen war die Unterbringung Sache ' IDepotskommandanten, in den Festungen der Festuntlgouverneure oder Kommandanten, welche die Neubaiislund Aptirungen durch die Ingenieur Offiziere vomunter Oberaufsicht der Festungsinspektionen ausfühnHessen.
Den Neuanlagen in Form der geschlossenenwurde, da in ihnen der bei Weitem grössere Xheil (