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III. Abschnitt: Morbidität der in Deutschland untergebrachten kriegsgefangenen Franzosen.
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Wie heftig Krankheiten unter ihnen gewüthet hatten,am besten aus einer Beobachtung v. Krafft-Ebing'svor. welcher bei Leichenuntersuchungen von nicht anphus gestorbenen Soldaten der Bourbaki'sehen Armeebemerkenswerthe Thatsache fand, dass etwa 25 #imtlicher Gestorbenen dieser Gefangenengruppe vorrzem Typhus durchgemacht hatte, also auf dem Marsche,Biwak, auf der Flucht.')
Dass unter solchen Umständen der Transport auf der<enbahn aus dem fernen Westen Frankreichs, von denhlachtfeldern bei Orleans, Le Mans und St. Quentinch den Depots in Deutschland, zum Theil in den öst-ihsten Preussischen Provinzen, nicht ohne verderblichenfluss bleiben konnte, ist selbstverständlich. Auch dieon wieder gekräftigteren Mannschaften, welche bereitsehrere Monate der Internirung hinter sich hatten, ertrugena etwa 4 Tage lang dauernden Transport von Coblenz nachittelschlesien so schlecht, dass von den in Schweidnitzkommenden 1720 Mann 113 Mann sofort wegen Frost-ihäden an Unterschenkeln und Füssen in die Lazarethemfgenonunen werden mussten.
Wie verzweifelt bisweilen der Zustand unmittelbar nacher Ankunft schien, wie aber gleichwohl eine geordnete reich-iche Pflege und mehrtägige Ruhe mitunter noch im Standekr, eine in die Augen springende Besserung, ja Wieder-lerstellung herbeizuführen, sei durch folgendes Beispiel be-bt Im Januar-Bericht des Reservelazareths Oldenburgfceisst es:
Einer dieser Kriegsgefangenen kam hier völlig blöd-toinig an; er war ganz stupide, sah aus wie ein an tieferielancholie Leidender, antwortete kaum auf die eindring-icasten Fragen und beschmutzte Wäsche und Bett. Dabeiitensiver Katarrh, stark geschwollene Füsse, ganzlachektisches Aussehen. Ich glaubte, den Patienten indie Irrenanstalt überführen zu müssen, da er wegen derpchterlichen Unreinlichkeit im Lazareth nicht gut zuhalten war; indess zeigte sich schon nach wenigen Tagen,der ganze Zustand nur in äusserster Erschöpfungbestand. Der Patient erholte sich bei guter Kost unddoppelten AVeinrationen zusehends, der stiere Blick verlorsich, die Kräfte nahmen täglich zu und in kurzer Zeiterfolgte völlige Wiederherstellung."
B. Unterbringung.
Maassgebend für die Unterbringung der Kriegsgefan-►nen waren die §§ 1 bis 5 des „Regulativ über die Behand-lung. V erpflegung etc. der Kriegsgefangenen nach erfolgtemEintreffen in den Gefangenendepots vom 30. Juli 1870".passelbe bestimmte, dass ihnen ein gleich grosser Kubik-
1 v. Krafft-Ebing, a. a. 0. S. 4. — Vergl. auch VI. Band|hm Berichtes, S. 197.
räum angewiesen werden solle wie den einheimischenSoldaten, dass derselbe aber im Bedürfnissfalle nach demErmessen des Depotskommandanten soweit beschränktwerden könne, als es ohne Gefährdung des Gesundheits-zustandes der Gefangenen zulässig erscheine. Bezüglichder inneren Einrichtung w r ar von vornherein festgestellt,dass Bettstellen auch durch Lagerstellen am Boden mitKopfbrettern oder durch Pritschen mit Strohsäcken ersetztwerden könnten.
Für die Einrichtung von Zelt- und Hüttenlagernw T aren Grundsätze in der Instruktion vom 20. Dezember 1842über die „Lagerung der Truppen im Frieden" niedergelegt.Für Barackenbauten bestanden, da stehende Lager inPreussen nicht vorhanden waren, bindende Vorschriftennicht, doch fehlte es nicht an praktischen Erfahrungendarüber in Festungen und auf Artillerie-Schiessplätzen.')
Mit der Einrichtung der ersten Gefangenendepots in denschon vor Beginn des Krieges dazu bestimmten Ortenwurde nach Eröffnung der Feindseligkeiten so rasch vor-gegangen, dass am 5. August in den Festungen Küstrin,Spandau und Graudenz Baum für 1700 Mann, am 7. inweiteren sechs Festungen solcher für 5400 Mann zur Auf-nahme bereit stand. Man verwandte zunächst nur solcheLokalitäten, welche für gewöhnlich nicht als Soldaten-wohnräume benutzt wurden: hauptsächlich Kasematten,daneben auch Wagenhäuser, Geschütz- und Exerzirschuppen.
Der Bau der ersten Zelt- bezw. Barackenlager wurdeam 8. August befohlen (Zeltlager bei Wittenberg undTorgau, Barackenlager bei Glogau zu je 4000 Mann) undschritt, da das Material für die ersteren zum grössten Theileden Traindepots entnommen werden konnte, so schnellfort, dass am 22. August, obgleich bereits 197 Offiziereund 3538 Mann internirt waren, noch Räume für 18 000 Mannbereit standen.
Die Kapitulation von Sedan und die darauf folgendenVerhandlungen, welche die Hoffnung auf eine Beendigungdes Krieges vor Einbruch des Winters zu Nichte machten,bedingten sehrw r esentliche Erweiterungen und Veränderungenin den Unterbringungsvorkehrungen. Zunächst betheiligtensich von nun an auch die verbündeten Staaten mit eigenenMilitärverwaltungen an der Aufnahme von Gefangenen undzwar vorläufig in der Höhe von zwei Mann auf Tausendder Bevölkerung. 2 )
In Preussen selbst schritt man zur Erweiterung schonbestehender Depots durch Mitbelegung von Kasernen,w T elche bis jetzt prinzipiell für die immobilen Truppenreservirt geblieben waren, und zur Anlage neuer Depots
J ) S. Roth und Lex, Handbuch der Militärgesundheitspflege.Berlin 1875. 2. Band, Seite 55 und Handbuch für den allgemeinenPionierdienst, IX. Abschnitt, Lagerbau.
2 ) Cirkular des Bundeskanzlers an die verbündeten Regierungenvom 6. September. — Betreffs derjenigen Orte Norddeutschlands, inwelchen Kriegsgefangene internirt wurden, siehe Beilage 94 im 1. Bandedieses Berichtes.