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Morbidität und Mortalität bei den deutschen Heeren und bei den in Deutschland untergebrachten kriegsgefangenen Franzosen
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1 Band IL

III. Abschnitt: Morbidität der in Deutschland untergebrachten kriegsgefangenen Franzosen.

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19667 Mann) fast durchgehends aus kräftigen und ge-sunden Soldaten zusammengesetzt. Namentlich in Strass-burg war auch während der Belagerung der Gesundheits-zustand der Belagerten kein ungünstiger gewesen. Dennvon Ende Juli bis zum 28. September waren bei einerGarnison stärke von beinahe 17 000 Mann wegen Krankheitnur 1477 Mann in das Militärhospital aufgenommen worden,von denen 71 Mann starben. Im Ganzen starben währendder Belagerung an Krankheiten 146 Mann. 1 ) Wenn dieseZahlen auf den ersten Blick etwas gross erscheinen, soist zu bedenken, dass sie eine ganze Anzahl vonPassanten"in sich schliessen, Angehörige des Französischen I. Armee-korps, welche theils beim Durchmarsch nach der Grenzehier zurückgelassen werden mussten, theils verwundet oderkrank in den ersten Tagen des August noch dahin trans-portirt werden konnten.

Einen gesundheitlich bei Weitem ungünstigeren Ein-druck als die Armee von Sedan und die Garnisonen derkleineren Festungen von Blsass-Lothringen machten die Ge-fangenen von Metz. Die November-Berichte PreussischerLazarethe des Inlandes bringen fast sämmtlich bei Hervor-hebung der Einflüsse, welche verbessernd oder verschlechterndauf den Gesundheitszustand gewirkt haben, genaue Schil-derungen des Aussehens dieser Mannschaften, welche durchihre beinahe wörtliche Uebereinstimmung überraschen.Wenn auch zum Theil ausreichend gekleidet, trugen siedoch schon in ihrer Ausrüstung die Zeichen der Strapazeneines 70tägigen Lagerlebens zur Schau. Rock, Wäsche,Haut, Alles starrte von dem gelben Lehm, in welchemsie vor Metz gelagert hatten. Das Schuhwerk war imäussersten Maasse schadhaft. In diesen, vielfach mitUngeziefer behafteten Kleidern steckten bleiche, abge-magerte Gestalten. Die Mittheilungen, welche die Ge-fangenen selbst von der Verpflegung in der Festungmachten, finden ihre volle Bestätigung in den von Fran-löBigeher Seite veröffentlichten Schriften. Auf Grundder von Chenu, Grellois und Westphal mitgetheiltenNachrichten sei hier eine tabellarische Zusammenstellungeingefügt über die Grösse der Portionen in den ver-schiedenen Perioden vor und während der Einschliessung.Voraus zu schicken ist, dass

1) am 24. August die Wasserleitung vor Gorze zer-stört wurde und die Stadt von da an nur filtrirtes Mosel-

! wasser zum Trinken hatte, dass

2) am 4. September das regelmässige PferdeschlachtenI p die Armee begann (im Anfang täglich 50 Pferde pro[ Armeekorps), dass

3) am 14. September wegen Salzmangels die Salz-I quelle von St. Julien in Anspruch genommen wurde, und dass

4) seit dem 10. Oktober nur noch Kleienbrot aus!l « Theilen Mehl und einem Theil Kleie verabfolgtpden konnte.

*) Siehe Chenu, I. S. 221 ff.

Verpflegung der Französischen Armee in Metz.

Brot

Fleisch

Speck

Reis

Wein

Salz

Gr.

Gr.

Gr.

Gr.

L.

Gr.

Vor dem 5. August .

735

250

200

__

__

Am 5. August . . .

800

400»)

300

21. , ...

800

200

Vi

10

7. September. .

700

. 15.

400

18.

500

2.5

24.

500

30 2 )

10. Oktober . .

300

750

Geht aus dieser Tabelle schon hervor, wie unzureichenddie Menge der Nahrung war, so sei bezüglich ihrer Be-schaffenheit nur noch Folgendes hinzugefügt: Das Pferde-fleisch stammte, je weiter die Belagerung fortschritt, vonum so schlechteren Thieren. Ein grosser Theil derselbenwar getödtet, kurz bevor sie am Hunger eingegangenwären. In den letzten Wochen der Cernirung kam essogar vor, dass Soldaten der eingeschlossenen Armee diezuletzt gefallenen, schon verscharrten Pferde heimlich zurNachtzeit ausgruben, um die besten Fleischtheile derselbennoch zu gewinnen. 3 ) Bezüglich des Backbrotes (pain deboulange, pain du blocus de Metz) sei angeführt, dassdasselbe, zum Theil von Privatunternehmern angefertigt,eine teigige, Stroh und andere fremde Stoffe enthaltendeMasse vorstellte*) und von den hungrigen Soldaten zumTheil noch warm verzehrt w r urde. Auch der Zusatz vonStärke konnte wohl nicht dazu beitragen, es verdaulicherzu machen, wie von ärztlicher Seite damals angenommenwurde. 5 )

Die äusserst ungünstige Witterung, welche schon imAugust begonnen hatte und auch in der ersten Hälfte desSeptember fortdauerte, um nach kurzer Pause und beibedeutend niedrigerer Temperatur im Oktober wiederzu-kehren, musste auf die feindliche Armee einen noch weitungünstigeren Einfluss ausüben, als auf die einschliessendenTruppen, weil dort die Widerstandskraft der Mannschaften inFolge der mangelhaften Ernährung mit jedem Tage sank undauch zu wärmerer Bekleidung oder zur Herstellung impro-visirter Unterkunftsräume bei der vollkommenen Abge-

i) Bezw. 350 g Pökelfleisch.

2 ) Einmalige Gabe.

3) Westphal, Geschichte der Stadt Metz. Metz 1875-78,III. S. 122.

*) Grellois, Histoire medicale du blocus de Metz. Metz 1872,S. 24 fl".

6 ) Siehe ausserdem: Seitz, AerztlicheBeobachtungen. (Aerzt-liches Intelligenzblatt für Bayern. 1871. No. 51.) Heubner, Bei-träge zur internen Kriegsmedizin, Berlin 1871, S. 126, undv. Krafft-Ebing, Beobachtungen und Erfahrungen über Typhusabdominalis während des Deutsch - Französischen Krieges in denLazarethen der Festung Rastatt. Erlangen 1871, S. 2.