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Morbidität und Mortalität bei de*A Deutschen Heeren und bei den in Deutschland internirten kriegsgefangenen Franzosen. BanJI
Anstalten die Pflicht zur Aufstellung von Rapporten nachden für die Reservelazarethe giltigen Vorschriften. In denmonatlichen Zusammenstellungen der Provinzial-Generalärztemussten die Kriegsgefangenen gesondert, und in sich nach Garni-sonen bezw. Depots geordnet, verrechnet werden. Nur die denvierteljährlichen Medizinalberichten beiliegenden Quartais-Krankenrapporte gingen bis auf eine summarische Uebersichtdes Ab- und Zuganges für die Beurtheilung der Gesundheits-verhältnisse bei den Gefangenen verloren, wenn nicht die be-treffenden Berichterstatter — wie hier und da geschah — auseigenem Antriebe für die internirten Franzosen besondere Be-richte aufstellten.
Es stand demnach für eine geordnete Statistik der Ge-fangenen folgendes Rapportmaterial zu Gebote:
1) die zehntägigen Truppen-Krankenrapporte,
2) die zehntägigen Lazareth-Krankenrapporte,
3) die monatlichen General-Krankenrapporte der Korpsärzte,
4) die vierteljährlichen Stations-, Garnisons- und General-rapporte.
Auch eine Berichterstattung erfolgte:
1) dekadenweise von Seiten der Depotärzte als kurzeErläuterung des Zahlenrapports und unter Hervorhebung beson-derer hygienischer Zustände,
2) monatlich von Seiten der Lazarethe,
3) vierteljährlich von Seiten der Stationsärzte, der ärzt-lichen Mitglieder der Lazarethkommissionen und der Provinzial-Generalärzte.
Dass jedoch die Rapporterstattung über die Angehörigender feindlichen Armee nicht mit solcher Regelmässigkeit undUebereinstimmung in der Auffassung erfolgte, wie es für einesystematische wissenschaftliche Verwerthung erforderlich wäre,ist leicht verständlich in Anbetracht der geringen Anzahl derdienstthuenden Aerzte und ihrer Inanspruchnahme durch deneigentlichen Krankendienst, sowie der Unbekanntschaft bezw.Ungeübtheit eines grossen Theiles derselben in dem militär-ärztlichen Listen- und Rapportwesen, endlich des Mangels angeschulten Hilfskräften, denen die Schreibgeschäfte hätten über-tragen werden können. Weitere Schwierigkeiten lagen in der,mitunter auch räumlich erheblichen, Trennung der Depots undLazarethe. Ein Theil der letzteren erhielt seine Pfleglingenicht aus einem einzigen Depot, sondern nahm auch solcheFranzösische Kranke und Verwundete auf, welche aus anderenSanitätsanstalten des Kriegsschauplatzes oder Inlandes eintrafen;ein Theil der Depots aber lag von den Lazarethen, in welchedie Kranken übergeführt wurden, so weit ab, dass die bericht-erstattenden Depotärzte über das weitere Schicksal der Krankenihres Truppentheils in Unkenntniss blieben. Daraus ergab sicheinerseits eine Truppen-Rapporterstattung mit genauen Kopf-stärken und Gesammtzugangszahlen, aber hinsichtlich derDiagnosen durchaus nicht zuverlässig, andererseits eine Laza-reth-Rappo'rterstattung mit genauen Diagnosen sowohl der Be-handelten als der Gestorbenen, aber ohne Sicherheit betreffs derGrösse und Art des Menschenkomplexes, auf welchen die Ge-sammtheit der Behandelten sich bezieht. Allerdings stellendiese Fälle nur Ausnahmen dar, während der Mehrzahl nachbeide Arten der Rapporte unter einander gut übereinstimmen.— Eine zweite, nicht minder grosse Schwierigkeit liegt in derverschiedenen Eintheilung und Benennung der Krankheitsformenin den verschiedenen Rapportformularen, welche es unmöglichmacht, Zahlen des einen Schemas vorkommenden Falles in einanderes zu übernehmen.
War somit keines der einzelnen Rapportschemata für sichausreichend, eine Grundlage für wissenschaftliche Statistik ab-
zugeben, auch eine Zusammenfassung derselben ohne We*weder statthaft noch durchführbar, so gelingt es doch ikritische Verwerthung alles Vorhandenen, unter Ausscheid»vieles Unzuverlässigen, ein in den Hauptzügen zweiitreffendes, wohl charakterisirtes Bild von den gesundheitlichVerhältnissen zu erlangen, welche während der etwa zehnmouliehen Internirung unter den kriegsgefangenen Franzherrscht haben.
Wenn in dem Folgenden die anzuführenden Zahlen häiden Rapporten nordöstlicher Depots entlehnt werdendes Südwestens, so ist hierfür einmal der Umstand magewesen, dass aus jenen die vollständigsten Rapportreüiüberhaupt und nur aus ihnen solche Rapporte vorliegen, weldlauch die Revierkranken umfassen, ausserdem aber eine iwägung, auf welche die zu Gebote stehenden Angaben überdiKopfstärke führten.
Während der ersten Hälfte des Feldzuges mussten toiiiaus den an den grossen Etappenstrassen gelegenen südwiliehen Depots Ueberführungen schon länger internirter MSchäften in neugebildete Depots oder Arbeitsstätten stattUaldamit auf solche Weise Raum für neu zugehende Gefanjgeschaffen werde. Dieser Vorgang fällt an sich nicht ins 6wicht, soweit es sich nur um eine summarische Angabe der&krankungen und Todesfälle bei sämmtlichen Interniithandelt, wie solche in Tabelle 212 dieses BandesDa aber eine derartige zusammenfassende Uebersicht fürriallein nur wenig Belehrendes hat, jede eingehendere Erörternvielmehr nothwendig an die Verhältnisse einzelner De]oder Depotsgruppen anknüpfen muss, so können mit Rück!auf obigen Umstand die westlichen Depots nicht ohneWaÜfsolchen von gleichbleibender Zusammensetzung gegenübergewerden, zumal, wie weiter unten genauer besprochen weilsoll, der Krankenzugang bei den Kriegsgefangenen sich iHauptsache nach auf die ersten der Internirung folgend!Wochen zusammendrängte. Wie stark jene Fluktuation!«noch weiter im Inlande geltend machte, sei an demder Garnison Minden gezeigt, deren Depotstärke im vierteQuartal 1870 folgenden Schwankungen unterlag:
Oktober
12.
3.
Dekade
4 600 Mann2 100 „1 400 „1 4001 050
(bis zum 14.)(bis zum 20.)(bis zum 24.)(bis zum 31.,dass 400 Mann altomandirt worden iMann aus dem Ladzugingen).
!) Tabelle 212 ist nach Zählkarten aufgestellt, weide*jeden in Deutschen Lazarethen behandelten Franzosen in derseMWeise angefertigt worden sind wie für die Verwundeten und Kmder mobilen Deutschen Heere (vergl. Vorwort zu diesem Bande). Inach sind in Lazarethen des Inlandes im Ganzen 176974Bjzosen (einschliesslich der Verwundeten) verpflegt worden. In «fden Rapporten beruhenden Beilage 88 des I. Bandes dieses Irichtes ist diese Summe auf 176 472 Mann angegeben. Der äeiijringe, nur wenige Bruchtheile eines Prozentes betragende ünteK'jzwischen diesen beiden, aus ganz verschiedenem MateritlfJwonnenen Zahlen liefert den besten Beweis für die Braucht»»"sämmtlicher Unterlagen. In Anbetracht dieses Umstandes konnte«.Rücksicht auf die Grösse der Aufgabe, welche daraus von Nenenlwachsen wäre, da es sich (einschliesslich der Dubletten) um300 000 Zählkarten über Franzosen handelte, von einer weiterg*»Benutzung dieses Materiales, als durch Tabelle 212 reprasentirt«Abstand genommen und die eingehendere Erörterung lediglich moben erwähnten Kapporte gestützt werden. Nur die Angabenpockenkranke Franzosen beruhen überall auf Zählkarten.