Druckschrift 
Morbidität und Mortalität bei den deutschen Heeren und bei den in Deutschland untergebrachten kriegsgefangenen Franzosen
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

20

Morbidität und Mortalität bei den Deutschen Heeren und bei den in Deutschland internirten kriegsgefangenen Franzosen. Band I| p. 1 11

Die hei Beziehung auf die Kopfstärke vorhandeneSteigerung der Krankheiten der Ernährungsorgane im Ko-vember und Januar verschwindet bei Beziehung auf dieGesammtinorbidität; 1 ) in beiden Monaten kann sie daherlediglich als Theilerscheinung der grösseren Erkrankungs-neigung überhaupt betrachtet werden.

Wohl bei keiner Krankheit ist neuerdings ihre Be-ziehung zu meteorologischen Momenten häufiger und leb-hafter diskutirt worden als bei der Lungenentzündung.Sofern es sich dabei darum handelte, aus ihrer vermeintlichenUnabhängigkeit von Witterungszuständen ihren Charakterals Infektionskrankheit zu demonstriren, darf unter Hinweisauf die oben 2 ) besprochene Thatsache, dass Infektions-krankheiten gerade so wie alle anderen Krankheiten mitden Jahreszeiten periodisch schwanken, ein begünstigenderoder beschränkender Einfluss von Witterungsmomenten auchbei der Lungenentzündung von vornherein als feststehendangesehen werden; die Frage kann vielmehr nur die sein,ob es sich dabei um einen mehr direkten oder (durchBegünstigung der Entwicklung von Mikro - Organismenbezw. der individuellen Empfänglichkeit für dieselben) in-direkten Einfluss handelt. So oft andererseits eine Ab-hängigkeit der Lungenentzündung von einem einzelnenWitterungsmoment, namentlich von der Temperatur oderder Feuchtigkeit 3 ), behauptet und mit Zahlenreihen belegtist, so kann eine solche aus den Armeeziffern der Jahre*1867 bis 1872, soweit die Häufigkeit der Lungenentzündungin verschiedenen Jahren 4 ) in Betracht kommt, dochkeineswegs entwickelt werden, weder für den Monat desTemperaturextrems und der grössten Häufigkeit der Lungen-entzündung im Verhältniss zur Kopfstärke (Januar), nochfür den Monat des Maximums dieser Erkrankungsform imVerhältniss zur Gesammtmorbidität (April), noch endlichfür die hauptsächlich in Betracht kommenden ganzen Jahres-zeiten: Winter (DezemberFebruar) und Frühling (MärzMai). In nachstehender Uebersicht sind die betreffendenDaten zusammengestellt.

Temperatur Zugang an Lungenentzündung Niederschläge

Jahr

(°B.)

HO -^

" M0 ii «

(Pariser Linien)

1. Mona

t J

a n u a r.

1868 .

.0.9»

1.«

8.5

22.%

1869 .

.0.26

2.6

17.3

11.24

1867 .

. 0.91

1.4

11.5

33.41

1870 .

. +0.3.;

2.1

14.0'

0.20

1872 .

. +1.00

1.7

12.5

9.87

1 ) Vergl. S. 17 dieses Bandes.

2 ) Vergl. 8. 15 dieses Bandes.

3 ) Hierbei wie in dieser ganzen Erörterung wird mit Absichtvermieden, dem Verhältniss der Krankheiten zu noch anderen klimati-schen und Witterungsmomenten näher zu treten.

4 ) Vergl. S. 12 dieses Bandes.

TemperaturJahr (° R.)

Zugang an Lungenentzündung Niederschlägt ,

K.

0 A|

(l o Ji «

(Pariser Linien

mitgetl

2. Monat April.

18681867187018721869

1869/701871/721867/681868/69

18721868186918701867

6.»>

6.37

6.407.868.17

3. Wi

1.15

+0.21+0 30+2.56

1.71.8

l.o1.22.6

14 o

19.717.711.4

19.1

nte r (Dezember Fe In-aar). 1 )l.o 14.o

1.5 11.6

1.3 9.1

1.8 14.8

4. Frühling (M ärzMai). 1 )

7.7-47.626.88

5.oo

5.45

1.11.52.21.81.1

ll.n11.617.215.511.0

So leicht es auch ist, aus jeder der obigen Heilgewisse Jahre herauszugreifen, welche für sich betracl einen Parallelismus der Lungenentzündung mit eineinzelnen der beiden in Betracht gezogenen Wittenmomente darbieten, so wenig lassen die Gesammtreileinen solchen erkennen. Es muss daher vorläufig als Spdes Zufalls angesehen werden, wenn gelegentlich ein!aufeinander folgende Jahre eine derartige einseitigehängigkeit vortäuschen.

Dass hingegen die sehr konstante jährliche Beritder Lungenentzündung, insbesondere ihr sehr beträchtlidVorwiegen im Winter und Frühling gegenüber dem Sonnund Herbst in entschiedener Beziehung zu der niedrige»Temperatur und der geringeren Menge der Niederschljin den erstgenannten Jahreszeiten steht, dürfte durch Iörtliche Verbreitung 2 ) dieser Erkrankungsform wesentli]bestätigt werden.

Betreffs einiger Beziehungen von Typhus und Rizu meteorologischen Momenten siehe die betreffendKapitel im VI. Bande dieses Berichtes.

Eine detaillirtere, nicht bloss die Gesammtmorbid:umfassende Statistik der Erkrankungen bei den einzeliWaffengattungen liegt bisher nirgends vor. Die älteijRapporte der Preussischen Armee bieten dafür einwenig geeignetes Material. Mit Bücksicht auf das erhebli^theoretische und praktische Interesse, welches daranknüpft, und um auch in dieser Beziehung einen Vergleich tKriegs- und Friedensverhältnisse annähernd zu ermöglidi-

') Mittlere Temperatur, mittlere monatliche Menge der Nie.schlage, mittlerer Monatszugang.

2 ) Siehe unter II dieses Abschnittes (S. 52).

I'r

Th

»):

eussi»

ä Stab

il in

irif't/,

»1 !