Band II.
I. Abschnitt: Friedensmorbidität der Preussischen Armee in den Jahren 18(57 bis 1872.
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Die Tabellen VI und VII liefern den Beweis,dass fast alle obigen Ausführungen 1 ) —soweit dasMaterial der Civilstatistik überhaupt detaillirtwerden konnte — für die Krankenbewegung im
1 Civil genau ebenso gelten wie für diejenige inder Armee, dass also auch bei der jährlichen
' Periode der einzelnen Erkrankungsformen —ebenso wie bei der Gesauimtmorbidität — die be-sonderen Armeeverhältnisse wenig in Betrachtkommen gegenüber den allgemeinen, auf Militär
- und Civil gleichmässig einwirkenden Krankheits-ursachen. Von Interesse und nachdrücklicherBeweiskraft in dieser Beziehung ist insbesonderedie Thatsache, dass selbst die mechanischen Ver-letzungen, bei welchen am ehesten ein beträcht-licher Einfluss des Ganges der Dienstausbildungerwartet werden darf, im Civil trotz einiger Ab-weichungen doch in wesentlichen Dingen dasselbeGesetz erkennen lassen wie in der Armee.
Oben 2 ) ist bereits angedeutet, dass direkte Beziehungenzur Witterung im Juli, welche bei der Gesammtmorbiditätvermisst wurden, bei einzelnen Erkrankungsformen wohlerkennbar seien. Dahin gehören vor Allem die Krank-heiten der Ernährungsorgane, deren Zahl im Julidurchaus proportional der Temperatur erscheint in demSinne, dass der höheren Temperatur eine grössere Zahl jenerKrankheiten entspricht. Dieses Verhältniss, welches schonbei Beziehung auf die Kopfstärke sehr deutlich hervortritt, 3 )markirt sich als ein vollkommen reines bei Beziehung aufdie Gesammtmorbidität, wie nachstehende Uebersicht zeigt:Mittlere Juli- Zugang an Krankheiten Niederschläge
Jahr
Temperatur
der Ernähi
ungsorgane
(P
ariser Linien)
(°R.)
A lv.
„"„ M.
1868
. 15.73
25.4
199.»
20.32
1872
. 15.12
20.9
192.1
24.93
1869
. 15.uo
19.5
166.1
10.94
1871
. 14.56
20.4
162.0
37.66
1867
. 13.oo
12.3
144.o
46.66
,. Lässt man das Jahr 1869 ausser Betracht, so könnte
l e aus den übrig bleibenden Jahrgängen obiger Reihe einni ebenso direktes Verhältniss zu den Niederschlägen abgeleitet
1 ) Die einzige wichtigere Abweichung bei der C'ivilbevölkerung'l' bildet das Felden der Steigerung der Krankheiten der Athmungsorganell im Juli, welches um so eher durch den Umstand bedingt sein kann,w dass die Civilstatistik nur die in Krankenhäuser Aufgenommenen, also
nur die schwereren Fälle, umfasst, da — wie oben erwähnt — es sichbei jener Steigerung nur um die katarrhalischen Krkrankungs-formen handelt.
2 ) Vergl. Anmerkung 3 auf S. 13 dieses Bandes.
3 ) Der Juli 1871 ist der einzige Monat, welcher bei dieser Be-rechnung den Parallelismus stört. Oben (vergl. Anmerkung 2 aufS. 8 dieses Bandes) ist bereits darauf hingewiesen, dass die Kranken-ziffeni im zweiten Halbjahr 1871 überhaupt hoch sind. Der Antheil,welcher lediglich wegen der allgemeinen Steigerung auf die einzelneErkranknngsform entfällt, verschwindet eben bei der Beziehung aufdie Gesammtmorbidität.
werden in dem öfter behaupteten Sinne, dass bei demVergleiche verschiedener Sommer unter einander dergrösseren Trockenheit die grössere Häufigkeit von Krank-heiten der Ernährungsorgane entspreche. Die Verhältnisse
des Jahres 1869 stehen dieser Anschauung entgegen,sprechen vielmehr dafür, dass zur Zeit des Wärmeextrems,soweit die Krankheiten der Ernährungsorgane in Betrachtkommen, die Temperatur die Hauptsache ist und derFeuchtigkeit nur eine modinzirende Wirkung zugeschriebenwerden kann.
Auch hier aber ist dies ziffermnässig nur für den-jenigen Monat (Juli) nachweisbar, welcher mit seltenenAusnahmen die höchste Durchschnittstemperatur aufweist.Selbst im August, obwohl — wie oben erwähnt — dasMaximum der Krankheiten der Ernährungsorgane in diesenMonat fällt, ist eine gleiche Regel nicht zu erkennen.
Mittlere August- Zugang an Krankheiten Niederschlage
Jahr
Temperatur
der Erns
hrungsorgane
(P
iriser Linien
(° K-)
A k.
0 ■\[
1868
. 15.S3
26.3
234.4
26.60
1871
. 14.21
29.o
218.1
19.34
1867
. 14.19
10.7
171.1
14.02
1872
. 13.22
23.6
235.5
21.67
1869
. 12.89
18.7
193.0
32.22
Sehr deutlich tritt der entscheidende Einfluss derTemperatur und der modinzirende der Feuchtigkeit hervor,wenn man nicht einzelne Monate sondern ganze Sommer(Juni, Juli, August) der Betrachtung zu Grunde legt, wiees ohnehin bei Vergleichen dieser Art sich empfiehlt,da die Wirkung der Zustände eines Monats sich viel-fach in den nächsten hinein erstrecken mag. Für dieJahre 1867 bis 1872 stellen alsdann die Verhältnisse siehfolgendermaassen dar:
Es kamen in Zugang Niederschläge
Mittlere an Krankheiten der durchschnittl.
Jahr Sommer- Ernährungsorgane pro Monat
Temperatur (durchschnittl. pro Monat) (Pariser Linien)
(° r.) a K. A M.
1868 . . 15.21 23.6 198.6 22.»1872 . . 13.85 20.o 194.4 23.381870/71 . 13.81 21.7 177.2 29.261867 . . 13.27 11.4 147.7 26.15
1869 . . 12.97 18.4 164.4 21.60
Während in dieser Reihe keinerlei festes Verhältnissder Erkrankungen zu den Niederschlägen zu erkennen ist,laufen die Erkrankungen den Temperaturen parallel mitAusnahme der Jahre 1867 und 1869, in welchen beigeringen Temperaturunterschieden aber beträchtlichenDifferenzen in der Menge der Niederschläge eine um-gekehrte Proportion l'latz greift.
Im Ganzen darf danach gesagt werden, dass trockeneHitze im Sommer die Krankheiten der Ernährungsorganeam meisten begünstigt.
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