Die dritte Person des Plural. 717
zu übertragen (Haben Majestät, haben der Herr u. s. w.?)— eine wahre sprachliche Monstrosität, die sich in keinereinzigen Sprache der Welt wiederholen dürfte. So ziehtein Fehltritt den andern nach sich*). Als das Sie auchauf den gemeinen Mann übertragen ward, wurde esnatürlich für die höchstgestellten Personen anstössig, esbedurfte eines Ersatzes, und dafür bildete man: Aller-höchstdieselben, was dann wieder einen Ableger erhielt inHochdieselben und schliesslich in Dieselben.
Damit ist die Geschichte des Du beschlossen, und esist nicht abzusehen, was jetzt noch kommen könnte, daalle Formen des persönlichen Fürworts, welche sich alsErsatz aufbieten Hessen, bereits erschöpft sind. Ich stelledie Stadien, welche das Du durchlaufen hat, kurz zusam-men, indem ich bei jedem derselben diejenigen Völkernenne, durch die dasselbe repräsentirt wird.
Du Ihr Sie (Singular) Sie (Plural)
Griechen, Franzosen, Italiener, • Deutsche und
Römer. Engländer, Spanier. Nord-
Holländer, germanen.
Wir Deutschen können den zweifelhaften Ruhm inAnspruch nehmen, alle vier Stufen durchlaufen zu haben.
*) Gedicke a. a. 0. S. 114 macht noch einen andern nam-haft. Als das sie bei Personen weiblichen Geschlechts anstössig ge-worden war, sagte man, um jedem Missverständniss zwischen sieund Sie vorzubeugen, im Accusativ, statt des letzteren Ihnen — ichbitto Ihnen, ich habe Ihnen lange nicht gesehen! — und noch heuti-gen Tages gilt das Ihnen bei gemeinen Leuten für vornehmer als Sie.