Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
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714
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714 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

wünscht Er, was hat sie mir zu sagen ? Als Erleichterung,Bequemlichkeit, die man sich damit erlaubt, widersprichtsie dem Geiste der Devotion, welcher die asiatische Höf-lichkeit kennzeichnet, und den Asiaten ist daher dieserGebrauch des Pronomens meines Wissens fremd geblieben.Auch bei den europäischen Völkern ist er kein allge-meiner, den Franzosen, Engländern, Holländern ist er un-bekannt, sie sind bei der zweiten Person des Plural ge-blieben, die Deutschen haben ihn vorübergehend adoplirt.dann wieder fallen lassen, während die Italiener und,wenn man das spanische Usled (S. 681 Note*) als Pronomenansehen will, auch die Spanier ihn bis auf den heutigenTag beibehalten haben. Sprachkenner mögen entscheiden,ob ich mit der Vermuthung recht habe, dass wir Deutschendie Form von den Italienern entlehnt haben. Hat dieseEntlehnung Statt gefunden, so war sie jedenfalls keineglückliche, weil keine vollständige. Die italienische Formdes Pronomens ist das femininische ella, wobei vostrasignoria supplirt ward, wir Deutschen substituirten ihr:er und sie*), und darin erblicke ich den Grund, warumdiese Form bei uns sich nicht zu erhalten vermochte undschliesslich so anstössig ward, dass sie als Ausdruck derGeringschätzung galt. Das italienische ella enthielt diestillschweigende, das spanische Usted die ausdrückliche

*) Ich werde im Folgenden zur Unterscheidung des »sie« desSingulars vom »Sie« des Plural ersteres klein, letzteres gross druckenlassen.