Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
708
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708 ^ a P' IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

Verhältniss, wo sie an sich am Platze sind, beanstandetwerden könnte. Die moderne Höflichkeit denkt darüberanders; ihr zufolge verträgt sich die sprachliche Betonungder Gemeinschaft nicht mit dem Verhältnisse der Unter-ordnung oder Devotion, sie erblickt darin eine Anmassung.Im Munde des Unterthanen ist das Wir dem Souveraingegenüber verpönt, er darf sich mit letzterem nicht aufeine Linie stellen, wie er es durch den Plural Wir, dermehrere Personen gleichmässig erfasst, thun würde, nurder Souverain darf sich der Wendung bedienen: wir habenuns bereits früher gesehen bei unserem letzten Be-gegnen u. s. w.. der Unterthan ihm gegenüber nicht. Ganzdasselbe gilt für den Untergebenen im Verhältniss zumVorgesetzten, durch Wir würde jener den Abstand, dersie beide trennt, verdecken.

Dass ich mit diesem Gesichtspunkte das Bichtige ge-troffen habe, ergibt ein anderer Anwendungsfall desselben.Der militärische Vorgesetzte mag seine Untergebenen Kame-raden, der Präsident seine Bäthe Gollegen, der Professor,wie es bei öffentlichen Festlichkeiten für die Anrede anStudirende hergebracht ist, letztere Commilitonen nennen,umgekehrt würde es einen groben Verstoss enthaltendem Höhern steht es wohl an, den Abstand, der zwischenihm und dem Niedern besteht, durch das Wohlwollen zuüberbrücken, der Niedere seinerseits hat denselben anzu-erkennen und zu beachten.