706 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
Umstand, dass sich dieselbe auch bei andern Völkernwiederholt, von denen wir sie keineswegs entlehnt habenkönnen, zeigt, dass sie den entsprechenden Ausdruck dersich zur Selbsterniedrigung verirrenden Höflichkeit enthaltenmuss. Bei den Asiaten ist sie ganz allgemein, die herab-setzende gegenständliche Bezeichnung des Bedenden lässtsich geradezu als ein Grundzug der asiatischen Höflichkeitaufführen*).
Eine dritte Form, das Ich zu umgehen, gewährt dasWir der Bescheidenheit, der Pluralis reverentialis, wieich ihn nennen möchte zum Unterschiede von dem Wirder Grösse und Erhabenheit, dem Pluralis majestaticus.Letzterer hat seinen Ursprung auf dem Thron, es sindmeines Wissens die spätem römischen Kaiser gewesen, diesich seiner Erfindung und Einführung rühmen dürfen**),dieselben, welche auch die abstracten Bezeichnungen für
*) Sie findet sich schon im alten Testament, z.B. bei I.Mos.42, 10, 11; 44, 7: Dein Knecht, Sam. 23, 24, 25: Deine Magd. Sodannbei den Siamesen und Malaien, welche das Ich regelmässig 'durchKnecht ersetzen, bei den Chinesen, bei denen selbst die Lehnsfürstenin früherer Zeil von sich als dem geringen Menschen redeten, undder Schriftsteller sich den Dummen nennt — ein Entgegenkommengegen den Leser, das man manchem unserer Schriftsteller zur Nach-ahmung empfehlen möchte.
**) Er gehört zum Curialstyl der kaiserlicherrJVerfügungen, icherinnere den Juristen an das bekannte sancimus der Codexstellen;ein interessantes Beispiel gewährt die Fassung der späteren Ab-schiedsdiplome: die an die Prätorianer kennzeichnen sich durch denPlural, die an die Auxiliarier durch die dritte Person des Singular(Imperator dedit), s. meinen Geist des röm. Rechts II. 2 S. 603Note 816 a (Aufl. 3).