Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
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690
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690 Ka P- !X. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

ist, letzteren um Belehrung. Seine Name ist gering, seineHeimath armselig, seine Stellung bescheiden, seine Lebens-jahre Unverdientermassen verlebt, seine Angehörigen klein,gering, dumm, was er vorsetzt, ist des Gastes nicht würdig,wenn er einen Stuhl anbietet, entschuldigt er sich wegender Dreistigkeit: wie darf ich es wagen? In Japan mussder Redende, wenn er von sich, dem Seinen und denSeinigen spricht, selbst bei den schmerzlichsten Ver-anlassungen lächeln — das Lächeln der Scham, dass ergenöthigt ist, über ein so unbedeutendes Wesen wie sichselber Worte zu machen.

So weit hat es die abendländische Höflichkeit aller-dings nicht gebracht. Zunächst verlangt sie nicht, dassman die eigenen Angehörigen preisgebe, nur bei Kindernpflegt man sich auch bei uns wohl, wo man den Ton derVertraulichkeit anschlagen darf, herabsetzender, nichternstlich gemeinter Bezeichnungen zu bedienen. ImUebrigen gilt es bei uns gerade umgekehrt als Gebot derguten Sitte, missbilligende Urtheile über die Seinigen,selbst wenn sie noch so gerechtfertigt sind, fremdenPersonen gegenüber zu unterdrücken. Auch die Herab-setzung von sich selber und von dem Eigenen bewegtsich im Allgemeinen in gemessenen Grenzen, die überdas Mass der Bescheidenheit (No. 4) nicht erheblich hinausgehen*).

*) Beispiele derartiger Redewendungen aus der deutschenSprache. Herabsetzung von sich selber: meine Wenigkeit, nach