Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
682
Einzelbild herunterladen
 

682 Kap- IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

wohlgeboren etc., man könnte ebenso gut sagen: Ew. Gross,Schön, Gelehrt.

Auch für diese Art der Bezeichnung der Person kenntdie Sprache meines Wissens keinen besonderen Ausdruck,und doch thut ein solcher noth. Ich halte den oben vonmir gebrauchten: Begriffsname für zutreffend. Die Personhört für die Vorstellung auf Person zu sein, sie wird zumBegriff erhoben. In sprachlicher Beziehung verbinden sichmit dem Begriffsnamen folgende zwei Eigenthümlichkeiten.

Zuerst die Indifferenz desselben gegen die Verschie-denheit der Geschlechter. Das Geschlecht kann in demBegriffsnamen, in dem die Person sich selber aufgegebenhat, nicht mehr unterschieden werden, die Prädicate Ma-jestät, Excellenz etc. sind daher für beide Geschlechtervöllig gleich. Die drei übrigen Stufen der Namen differen-ziren sich nach dem Geschlecht, auf dieser letzten ist dergeschlechtliche Unterschied gänzlich überwunden, die Fluchtder Person vor sich selbst hat mit der Abstreifung des letz-ten ihr noch anhaftenden Moments des Natürlichen ihrEndziel erreicht — nichts erinnert mehr an den Menschen.

Die zweite sprachliche Eigenthümlichkeit ist die Ver-bindung der Pronomina possessiva mit dem Begriffsnamen.Damit berühre ich einen Punkt, den ich unten bei Ge-legenheit der Syntax der Höflichkeit erörtern werde.

2. Die Erhebung der fremden Person — die epithetaornantia.

In der brieflichen Anrede pflegen wir im Deutschen