Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
681
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Anredeformen: der Begriffsname. 681

eine höhere Stufe des Titels. Für die mittleren und unte-ren Stufen der staatlichen, kirchlichen, wissenschaftlichenHierarchie ist überall die persönliche Bezeichnung bei-behalten worden, für die höheren Stellungen dagegen ist,wie im byzantinischen Curialstiel, die unpersönliche ver-wandt worden, welche die Höhe und Erhabenheit der-selben kennzeichnen soll. Aber gerade dies erregte dieEifersucht der diesen höchsten Schichten zunächst stehen-den Glassen der Gesellschaft. Kann ein Fürst, ein hoherBeamter zum Abstractum erhoben werden, warum nichtauch eine angesehene Privatperson? Was die Sprache fürjene vermag, kann sie auch für diese. Und so ward denndas gegebene Beispiel imitirt, alle modernen Sprachen bil-deten ihre abstracten Substantiva zur Bezeichnung derPerson: die italienische von signor vostra signoria, diespanische von merces vuestra merced*), die französischevotre gräce (früher signorie), die englische von Lord yourLordship, von worth Worship, die deutsche Gnaden, Herr-lichkeit, Wohlweisheit, Würden**), ja sie ist selbst vorder sprachlichen Unnatur nicht zurückgeschreckt, Adjectivazu diesem Zwecke zu verwenden: Ew. Wohlgeboren, Hoch-

*l Nach mir von sachkundiger Seite gewordener Mittheilungstammt daher das unserm deutschen Sie entsprechende spanischeUsted (geschrieben Vd): es enthält von vuestra die Anfangs-, vonmerced die Schlussbuchstaben.

**) Für Geistliche, mit Abstufungen: Ehrwiirden, Wohlehrwürden,Hochwohlehrwürden, Hochehrwürden, Hochwürden. Viele Abslractaim Ungarischen, z. B. Grösse, Erhabenheit, Ansehnlichkeit, Herr-schaft, Gnade u. a. m.