680 Ka P- ' X ' D ' e sociale Mechanik. Das Sittliche.
der dichterischen Sprache in den Curialstyl zu übertragen,gehört meines Wissens den späteren römischen Kaisern an.Ihre Vorgänger hatten die Welt mit dem Titelwesen be-schenkt (S. 530), sie ihrerseits fügten noch diese Erfindunghinzu, an der sie neben sich auch ihre höchsten BeamtenTheil nehmen Hessen.*) Vom byzantinischen Hofe warddieselbe auf die germanischen verpflanzt, zuerst an dendes Theodorich, um dann bei den modernen Völkern eineVerwendung zu finden, welche über ihren ursprünglichenZweck und Bereich weit hinausging.
Ich unterscheide zwei Arten derselben: die officielleund die sociale. Erstere umfasst den Gebrauch, denStaat, Kirche und Wissenschaft von dieser hypostasirendenBezeichnung der Person gemacht haben.**) Dieselbe bildet
>Iauter Liebe und Güte« — die Person geht ganz in Liebe und Güteauf, ihr ganzes Wesen ist Liebe und Güte. Eine Metonymie derjuristischen Kunstsprache enthält die Bezeichnung des Eigenthumsals res corporalis von Seiten der römischen Juristen — Recht undSache decken sich so vollständig, dass statt des ersteren letzteregenannt wird, nur dass hier nicht statt des Sinnlichen das Ueber-sinnliche, sondern statt des letzteren ersteres genannt wird.
*) Wendungen der Kaiser für sich selber: nostra majestascelsitudo, culmen principale, serenitas, mansuetudo, dementia, tran-quillitas — für die höchsten Beamten: tua eminentia, excellentia,magniflcentia, Providentia, celsitudo, spectabilitas u. a. Die meistender letzteren haben sich noch heutzutage in Staat, Kirche, Universi-täten erhalten.
**) Der Staat für die Bezeichnung der Landesherren und derhöchsten Staatsdiener: Majestät, Hoheit, Durchlaucht, Excellenz (zurZeit der Renaissance in Italien noch Anredeform der Fürsten —die Devalvation der Ehrenprädicale wiederholt sich auch bei dieserAnredeform). Die Kirche: Heiligkeit, Eminenz, bischöfliche Gnaden(früher dominatio vestra). Die Wissenschaft: Magnificenz (Rektoroder Prorektor der Universität), Spektabilität (Dekan der Fakultät).