676 Ka P- 'X- Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
des weiblichen »Frau«, was die Etymologen mit »Froh«»Frouwe« (= die Frohmachende, die Beglückende) in Ver-bindung bringen, und für die Unverheirathete das Diininu-tivuin von Frau »Fräulein«, früher »Jung-frau, Jungfer«.Charakteristisch ist, dass sämmtliche moderne Sprachendas Moment der Ehe beim männlichen Geschlecht nichtbetonen, der Mann ist stets »Herr«, der verheirathete wieder unverheirathete, für seine Stellung ist die Ehe ohneBedeutung, während beim weiblichen Geschlechte die Ver-heirathete von der Unverheiratheten unterschieden wird.Die Ehe bildet die Bestimmung des Weibes, darum dieBetonung derselben bei der Verheiratheten und darum dieBenennung der Unverheiratheten nach dieser ihrer Bestim-mung als künftige, werdende, heranwachsende Frau (Frau:Fräulein, Jungfrau, Jungfer; Dame: Demoiselle; Madame:Mademoiselle; Mistress: Miss). Während für sie das Dimi-nutivum, wird für das männliche Geschlecht der Compa-rativ verwandt (Senior für die romanischen Sprachen,heriro in der deutschen, magis-ter in der englischen), dasEhrenprädikat des Mannes besteht darin, dass er mehr istals andere, das des Weibes darin, dass sie Ehefrau istoder werden wird. Alle diese Ausdrücke heben das Mo-ment der socialen Stellung hervor, die Ausdrücke, welchedie natürlichen Unterschiede des Geschlechts und des Altersbetonen (Mann, Weib, Knabe, Mädchen) sind der Höflich-keitssprache fremd.
Sämmtliche Ehrennamen bildeten einst das Vorrecht