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2 (1883)
Entstehung
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252
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252 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

den Becher Wein oder Arznei credenzt, und wer die Sinnes-art unserer Altvordern nicht bloss aus Gedichten oder Ro-manen, sondern aus der Geschichte kennt, wird begreifen,dass und warum diese Vorsichtsmassregel auch bei ihnenihren triftigen Grund hatte.

Wie die Sitte ihren ursprünglichen Zweck gänzlichverlieren kann, so muss es auch als möglich anerkanntwerden, dass sie denselben wechselt; äusserlich bleibtalles beim Alten, aber die innere Bedeutung der Sitteist gänzlich verändert. Als Beispiel diene die Veränderungwelche mit dem Grusse vorgegangen ist, der ursprüng-lich, wie demnächst bei den Umgangsformen nachgewiesenwerden wird, den Sinn der Zusicherung der Annäherungin friedlicher Gesinnung zum Zweck hatte, später aberdie einer conventionellen Artigkeit dagegen eintauschte.4) Die schlechte Sitte.

Die Sitte als Institution ist gut, ebenso wie dasRecht. Aber dies schliesst nicht aus, dass dies für denInhalt einzelner Einrichtungen der Sitte wie des Rechtsnicht zutrifft. Dasjenige, was einst gut war, kann durcheine Veränderung der Verhältnisse schlecht geworden sein,und selbst von allem Anfang an können unberechtigte,aber übermächtige Einflüsse dem Schlechten Eingang ver-schafft haben.

Wonach bemessen wir, was bei Beiden gut oderschlecht sei? Wir kennen den Massstab, er ist der desgesellschaftlich Nützlichen. Nicht der abstracte, der alle