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2 (1883)
Entstehung
Seite
248
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248 Ka P- IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

vielfach auf dem Lande finden*)! Nach Bestattung derLeiche verfügt sich das Gefolge in das Trauerhaus, woSpeisen und Getränke aufgetragen stehen, und ein Zech-gelage die Trauerfeierlichkeit abschliesst. Der Brauch istSitte, nicht Gewohnheit, d. h. er ist verpflichtender Art,die Hinterbliebenen müssen sich, wenn auch mit bluten-dem Herzen und im Falle der Mittellosigkeit, selbst mitEntblössung vom Nothwendigsten, demselben fügen.

Wie konnte sich eine solche alles menschliche Gefühlverletzende Sitte bilden? Meiner Ueberzeugung nach ur-sprünglich nicht als Sitte, sondern als Gewohnheit. Inden höheren Kreisen hat man nicht nöthig, das Gefolgezur Leiche durch Prämien heranzulocken, aber der ge-meine Mann, der seine Arbeit im Stiche lassen, und derauf dem Lande gar wohl aus weiter Entfernung und beischlechtem Wetter zur Leiche kommen soll, entschliesstsich nicht so leicht zu diesem Opfer an Zeit und Mühe.Darum ein Reizmittel, das ihn herbeischafft, indem es ihnfür die Zeitversäumnis und den weiten Weg entschädigt.Das Mittel war von demjenigen, der zuerst darauf verfiel,und dem es darum zu thun war, die Leiche mit Glanz zurErde bestattet zu sehen, geschickt gewählt und er wussteauch sehr gut, warum er die Erquickung erst nach Be-stattung der Leiche verabreichte und nicht, was doch dasNatürlichste gewesen wäre, schon vorher. Das Mittel be-

*) Auch bei den alten Griechen, s. z. B. Homer IliasXXHI, 9H.