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2 (1883)
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244
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244 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

den »Sitten« der verschiedenen Völker, von denen die Reise-beschreiber zu berichten wissen, verstecken sich nebenden obligatorischen auch viele nichtobligatorische: blosseGebräuche, mit denen es Jeder halten kann, wie er Lusthat d. h. die nach unserer Sprachweise nicht Anwendungs-fälle der Sitte, sondern der Gewohnheit enthalten.

Worauf beruht nun dieser Gegensatz zwischen Ge-wohnheit, Brauch, Gebrauch einerseits und der Sitte an-dererseits? Ist es Zufall, dass der eine Brauch verpflichtet,der andere nicht?

Der Grund liegt in der "Verschiedenheit des Inter-esses. Ist es bloss das eigene Interesse des Handeln-den, das ihn zum Handeln veranlasst, und das wegenseines gleichmässigen Vorkommens in vielen Tausendenein gleichmässiges, allgemeines Handeln hervorruft, sohaben wir lediglich eine Gewohnheit, einen Brauch. Ge-wohnheit, Brauch ist es, dass in einer Gegend, wo dasHolz billig, Holz, und wo Torf oder Steinkohle billig sind,letztere gebrannt, dass in dieser Gegend Bier oder Wein,dort Schnaps getrunken wird, dass hier zu BekleidungWolle, dort Baumwolle oder gar bloss ein Schurzfell ver-wandt, dass hier um diese Stunde, dort um jene zu Mit-tag gegessen, hier zur Bedachung Ziegel, dort Holzschin-deln verwandt werden. Aber das ist keine Sitte imwissenschaftlichen Sinne, wenn auch ein Reisebeschreiberden Ausdruck darauf anwenden mag; denn bei allen diesenDingen thut Jeder das, was er thut, nur im eigenen Inter-