Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
243
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Die Sitte. 243

geschehen, in Bezug auf die Moral vermögen wir es erstspäter, nachdem wir uds durch eine längere Untersuchungden Weg dazu gebahnt haben. Ich behalte meine Weiseder detaillirten Aufzählung der einzelnen Untersuchungs-punkte bei.

1) Begrifflicher Unterschied der Sitte von derGewohnheit.Die sprachliche Thatsache dieser Unterscheidung istuns bereits von unseren sprachlichen Untersuchungen herbekannt (S. 21 ff.). Gewohnheit, worunter wir hier nichtdie individuelle, sondern die allgemeine verstehen, ist dieblosse Thatsächlichkeit des fortgesetzten allgemeinen Han-delns, Sitte die sich zu ihr hinzugesellende gesellschaftlichverbindende Geltung derselben. Nur in dem letzterenSinne gebrauchen wir fortan diesen Ausdruck*), und wirbefinden uns darin in Uebereinstimmung mit der Sprache,welche von Geboten der Sitte, nicht der Gewohnheit redet.In Bezug auf den Plural: die Sitten wird diese strengeUnterscheidung vom Sprachgebrauch nicht beobachtet, unter

*) Gegenüber Lesern, welche die Sache nicht vom Wort unter-scheiden können, halte ich die Bemerkung nicht für verloren, dassalles, was ich im Verlaufe meiner Untersuchung über die Sitte ent-wickeln werde, seine volle Geltung behält, auch wenn der von mirzu Grunde gelegte Begriff sich mit dem, welchen die Sprache mitdem Worte verknüpft, nicht vollständig decken sollte, es würde diesnur darlhun, dass es zum Ausdruck desselben eines besonderenWortes bedarf, den Begriff selber hoffe ich in einer Weise begrün-den zu können, dass die Selbständigkeit und ünentbehrlichkeit vonJedem zugegeben werden muss, aber auch an der sprachlichenDeckung dürfte es ihm nicht fehlen.

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