Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
235
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Die Mode. Die Tracht. 235

In diesem Momente der Dauerhaftigkeit ist das grosseUebergewicht gelegen, welches der Volkstracht in ästhe-tischer Beziehung der Mode gegenüber zukommt. Jene hatZeit, einen gewissen Typus der Kleidung vollständig aus-zubilden und etwas wirklich Schönes und Charakteristi-sches zu schaffen, während die Mode, die aus einemGrunde, den wir unten kennen lernen werden, stets ihreigenes Werk rasch wieder zerstört und von einem Ex-trem ins andere springt, die etwaigen Ansätze zum Schönennie weiter verfolgen kann, sondern kaum erfasst, wiederfallen lässt.

Wir gehen zur näheren Betrachtung der Mode über.Während die Tracht dauernd ist, irrt die Mode ruhelosunausgesetzt umher, um stets Neues aufzusuchen. Abernicht etwa ein solches, welches geschmackvoller wäre alsdas Bisherige, sondern ihr ist es nur um das Neue alssolches zu thun, sie schrickt selbst davor nicht zurück,das gefundene Schöne und Geschmackvolle mit dem Häss-lichen und Geschmacklosen zu vertauschen und Formender Kleidung zu erlinden, die mit den von der Naturdurch die Gestalt des menschlichen Körpers vorgezeichnetenGrundlinien der Bekleidung im schroffsten Widerspruchestehen. Während sonst jede Cultur auf der Gontinuitälder Entwicklung beruht, auf dem Festhalten und der sorg-samen Pflege und Fortbildung des einmal Gewonnenen,sagt sich allein die Mode davon los, um im regellosen Zick-zack, im wilden Taumel, hin und herzuspringen, jede eben