Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
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221
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Der Gegensatz von gut und böse. 221

rung nothwendigerweise der gesellschaftlichen t hat voraus-gehen müssen.

Von sittlich und unsittlich unterscheidet sich gutund böse im sittlichen Sinne dadurch, dass jener Gegen-

ugiischen Sprachen ist der Begriff gut von Wohlstand, Reichthum,Glück ausgegangen. Der tscheremissisch jumo, finnisch jumala,estnisch j umal, livisch jumal, lappisch jubmel oder ibmel alsBezeichnung für Gott im Gegensatze zum »armen« Menschen.Diese von Budenz aufgestellte Erklärung wird durch die Analogieim Indogermanischen gestützt. Slavisch bog = Gott, bogatu ==reich, ubogu = arm; vergleiche sanskr. bhaga = Glück, Wohlstand,iltpersisch baga = Gott. Böse ungarisch rossz. In der Wurzelliegt der Begriff von caedere, frangere, rossz ist also eigentlich, wasseine Integrität verloren hat, corruptus, inutilis. Ein anderes Wortfür böse ist gonosz, slawischen Ursprunges, slawisch gnüs = eigent-lich schmutzig, garstig.

lieber den heuligen ungarischen Sprachgebrauch füge ich nocheine Mittheilung von meinem Freund und ehemaligen Zuhörer, Pro-fessor Biermann in Hermannstadt hinzu.

Gut im technischen, ökonomischen, moralischen Sinne bezeichnenwir mit; unsere nationalen Philologen verweisen auf die Ver-wandtschaft mit,«, dem deutschen gut, dem türkischen ejü,dem chinesischen (bene). Für die einzelnen Nuancen des Gulengibt es sodann eine grosse Masse von Specialausdrücken. Vonjösäg = die Güte und jöszäg das Gut im Sinne von Landgut. Böseund schlecht ist rossz, schlecht sowohl im ökonomischen Sinne, sei-nem Zwecke nicht entsprechend, rasch verderbend, als im sittlichen.

Professor Freiherr von Gabelentz in Leipzig über das Chi-nesische. Haö ist gut (sittlich und physisch, ja sogar gelegentlichästhetisch z. B. haö niü, hübsche Mädchen), täi schlecht, übel, cengut, namentlich der Wirkung nach, tüchtig oder geschickt, etwas zutliun, cüng, aufrichtig, loyal offenbar von cüng Mitte. Letzleresspielt in der chinesischen Ethik eine bedeutende Rolle: ein positivBöses gibt es nicht, nur ein zuviel oder zuwenig, das Gute liegt inder Mitte.

Zu der zweiten Auflage trage ich noch das Cjtat von Geiger,Ursprung der Sprache B. 2, S. 173 nach, der wie irgend Jemand inder Lage war, ein massgebendes Urtheil abzugeben; ihm zufolge istdie sittliche Bedeutung von gut und böse eine relativ spätere Bil-dung, die ursprüngliche war überall die sinnliche.