220 Kap. 'X. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
ist jene die allere, diese die spätere; im vorliegenden Falleergibt sich dies schon daraus, dass die individuelle Erfah-
bösc (Sturm, Mensch), das Böse, arg (Lärm, Gesinnung, Arglist), übel(Geruch), das Uebel, schlimm (Nachricht, Gewohnheit). Die eng-lische: good, goods, goodness, bonty, bad, badness, male in seinenCompositis. In den semitischen Sprachen gehen nach einer Mit-theilung, die ich der Güte von Professor Fr. Delitzsch in Leipzigverdanke, »die Bezeichnungen des sittlich Guten und Bösen ebenfallsvon sinnlichen Grundbegriffen aus. Gut in seiner ursprünglichenBedeutung ist, was einen angenehmen sinnlichen Eindruck macht.Dem zufolge verbindet sich auch mit dem Begriffe des sittlich Gutender Begriff des Wohlthuenden und Heilsamen, das es in sich schliesstund aus sich heraussetzt. Ebenso fallen die Begriffe des Bösen undSchlimmen zusammen. Statt: Baum der Erkenntniss des Guten undBösen lässt sich nicht minder richtig übersetzen: des Guten undSchlimmen. Die gewöhnlichen arabischen Wörter für »gut« bezeich-nen das Gute als das Schöne und Vorzügliche«.
Ich habe mich ausserdem noch theils mittelbar theils unmittel-bar an einige andere Gelehrte gewandt und ich glaube der Wissen-schaft einen Dienst zu erweisen, wenn ich die mir gewordene Ant-worten (wörtlich) mittheile.
Professor R. Roth in Tübingen. Die Gegensetzung von gutund böse so verallgemeinert wie im heutigen Deutsch stammt nichtaus der ältesten Zeit der Sprache. Und man darf in keiner jugend-lichen Sprache diese Abnutzung oder Vermischung der Bedeutungerwarten. Das alte Sanskrit (im Veda) hat wohl ein Dutzend Wörter,die man etwa mit gut, ebenso viele andere, die man mit bös über-setzen kann, aber allen kommt ein näher umschriebener Grundbe-griff zu z.B. päpa (nicht zu etymologisiren) bös d.h. schlimm, übel,ungünstig; aber auch arm, elend. Gegensalz bhadra (wohl verwandtmit bass, besser) eigentlich erfreulich, löblich, glücklich; oder punjaeigentlich rein. Satja (.]' ist der deutsche Laut) gut, eigentlich wahr,wirklich (gehört zur Wurzel as = esse, sein) Gegensatz asalja (aprivativum). Sakrt gut = guthandelnd, Gegensatz dushkrt = bös-handelnd. Das sind die »Guten und Bösen« im engern moralischreligiösen Sinn, die äf adot xcü uovTjpoi, die wir aus dem neuen Testa-ment haben. Ulfilas kennt aber das Wort bös gar nicht, sondernhat dafür ubils oder urseis (unselig) und bös ist ursprünglich =gering, unwerth, wie gut = passend, fügsam, brauchbar.
Professor Thewrewk in Pest. Gut ungarisch j ö. In den