Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
217
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Der Gegensatz von gut und böse. 217

Erde nicht schwarz, sondern das Grüne und Schwarzesteckt in unseren Augen, es ist der Eindruck des Gegen-standes auf unser einmal in einer ganz bestimmten Weiseeingerichtetes Auge unser Auge anders gestaltet, unddie Farbe der Dinge wäre eine andere, wie es ja beimFarbenblinden in der That der Fall ist, der Mensch andersgeschaffen als er es ist, mit andern Gaben des Körpers undGeistes und andern Bedürfnissen, und gut und böse wäreebenfalls etwas anderes.

So steckt gut und böse nur in dem Subjecte, welchesdie Dinge vom Standpunkte seiner Zwecke, d. i. nachMassgabe seiner Persönlichkeit denn letztere zeichnetihm dieselben vor beurtheilt. Nur indem wir die ge-wöhnliche Gestaltung der menschlichen Bedürfnisse undZwecke zu Grunde legen, gelangen wir dazu, gewisseDinge schlechthin als gut, andere schlechthin als schlechtzu bezeichnen. Aber dass auch hier der Massstab einrein subjectiver ist, erhellt daraus, dass der Gegensatzdurch eine eigenthümliche Verschiebung der subjectivenVerhältnisse sich völlig umkehren kann: was gut ist, kannböse, was böse, kann gut werden, ein feuriger Weinfür den Gesunden ein Labsal, ist für den Kranken Gift,Gift für jenen, eine Arznei für diesen, mit dem Be-dürfnisse wechselt der Massstab für gut und böse.

Das gilt auch für das sittlich Gute und Böse. Esgibt keine Hoffnung, die an sich böse wäre. Nicht dieTödtung des Menschen im Kriege ist sie Pflicht, im