Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
216
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216 Ktfp. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

Zweiter Satz: diesem objectiven Gegensatz entspricht einihm conformes, dem Menschen angebornes subjectivesUnterscheidungsvermögen. Gleichwie das leiblicheAuge von der Natur zur Wahrnehmung der Aussenweltprädisponirt, auf sie eingerichtet und gestimmt ist, so dasgeistige auf den Unterschied zwischen gut und böse.

Der zweite Satz hat für uns an dieser Stelle keinInteresse, ich wende mich hier ausschliesslich dem erstenzu. Ich setze ihm die Behauptung entgegen: der Unter-schied von gut und böse liegt nicht in den Dingen an sich,sondern er ergibt sich erst aus der Beziehung der Dingeund Handlungen auf die Zwecke des Menschen, er ent-hält ein Zweckurtheil. Gut vom Standpunkte des Indivi-duums ist, was seinen Zwecken entspricht, gut im gesell-schaftlichen d. i. sittlichen Sinne, was sich durch die Er-fahrung als den Zwecken der Gesellschaft förderlich,schlecht oder böse dagegen, was sich ihnen als hinderlichoder schädlich erwiesen hat. Nicht die Dinge (beim Sitt-lichen: die Handlungen der Menschen) sind an sich gutoder böse, sondern die Verwendbarkeit für unsere Zweckebildet den Massstab, nach dem wir diese ihre Eigenschaftbestimmen. Indem wir die Dinge oder Handlungen gutoder schlecht nennen, projiciren wir etwas, was in unsseinen Grund hat, in sie als Eigenschaft hinein, gleich alsob es etwas ihnen Immanentes wäre. Es verhält sich da-mit nicht anders, als wenn wir die Farbe in die Sachehinein verlegen. Der Baum ist nicht an sich grün, die