208 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
dagegen verlegt den Schauplatz der Untersuchung aufdie Erde, er versetzt sich auf den realen Boden der empi-rischen Wirklichkeil, indem er den mühsamen Weg desinductiven Beweises einschlägt und für jedes einzelne Stückder sittlichen Welt die Frage, wie so es dem Glücke desMenschen dienen, seine Zufriedenheit mit sich und der Wellfördern könne, aufwirft und zu beantworten sucht. Er istder Weg der praktischen Untersuchung im Gegensatze derspeculativen. Darum ist es nicht zufällig, dass derselbezuerst von der dem Praktischen zugekehrten englischenWissenschaft eingeschlagen ist, während wir Deutsche un-serm Naturell zufolge den speculativen Weg vorgezogenhaben. Für den richtigen Deutschen hat die nüchterneZergliederung des praktischen Nutzens des Sittlichen etwasWiderstrebendes, der richtige Ideolog auf deutscher Erdeerblickt in der Anwendung praktischer Gesichtspunkte aufDinge, die ihm als hoch und heilig gelten, eine Versün-digung, die Idee muss im Himmel wohnen, ihrer selbstwegen, nicht irdischer Zwecke wegen da sein, wenn sieihre Weihe in seinen Augen behalten soll*) — vielleichtweil er das dunkle Gefühl hat, dass dieselbe die unsanfteBerührung mit dem harten, steinigen Boden der Erde nichtimmer vertragen würde. Ich erinnere mich eines gläubigenKandidaten der Theologie, der mit einem minder gläubigenBekannten einen Streit über die Erscheinung des heiligen
*) Ich werde den Vorwurf im dritten Bande an einer Reihevon Beispielen begründen.