Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
205
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Relativität des gesellschaftlichen Glücksideals. 205

für letztere eine allgemein gültige Formel des Wohls oderGlücks aufzustellen im Stande ist, ebenso wenig für dieVölker. Aber die unendliche Mannigfaltigkeit der concretenErfassung des Glücks hindert uns nicht, das Glück selberworein immerhin es auch gesetzt werden möge, als Zieldes Strebens, gleichmässig der Individuen und Völker,hinzustellen, und so nehmen wir den Namen und den Be-griff des Eudämonismus von der individualistischen Theorie,wo er seine Probe nicht bestanden hat, in die gesellschaft-liche hinüber, wo er sie bestehen wird.

Worein das Wohl und Glück der Gesellschaft zusetzen sei, das ist, wie gesagt, eine Frage, welche sichnicht von der Theorie in Form einer abstracten gesell-schaftlichen Glückseligkeitstheorie beantworten lässtdieselbe würde bei jedem derartigen Versuche stets nurdas etwas idealisirte Spiegelbild ihrer eigenen Zeil wieder-geben sondern das ist eine Frage, welche die Ge-schichte der Menschheit beantwortet, indem sie Blatt fürBlatt ihres Buches entrollt. Auf jedem Blatte, das sie um-wendet, steht bereits das »Verte« für die folgende Seile,der erreichte Zweck schliesst stets einen neuen in sich.Aber bevor die Seite nicht ganz bis zu Ende gelesen ist,kommt kein neues Blatt an die Reihe, jeder neue Zweckhat die Erreichung des früheren zur unerlässlichen Voraus-setzung. Und da sollten wir, die wir zur Zeit stets nur eineinziges Blatt im Buche der Geschichte vor uns haben, unsherausnehmen wollen anzugeben, was auf dem letzten