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2 (1883)
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203
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Sittlicher Werth der Freude. Die Feste. 203

feiert er durch ein Fest*), d. i. die Vereinigung der Ge-nossen zur genieinsamen Freude. Im Fest erhebt sich dieindividuelle Freude zur Höhe der gesellschaftlichen. DieFeste bilden eins der schönsten Bande der gesellschaft-lichen Verbindung der Menschheit, sie gehören zu denfrühesten Lebensregungen der Menschheit, die ersten An-sätze der Gottesverehrung werden von ihnen begleitet, dieersten Thaten, der sie sich glaubte rühmen zu können,werden überall durch sie besiegelt und verherrlicht esist der Jubel der Gesellschaft über das, was sie fertig ge-bracht hat und sie werden die Menschheit bis an dasEnde ihrer Tage begleiten. Jede grosse gesellschaftlicheThat findet mit derselben Nothwendigkeit iu einem Festeihren Ausdruck, wie die des Individuums in der indivi-duellen Heiterkeit; die Geschichte der menschlichen Festeist die der wirklichen oder vermeintlichen Thaten undFortschritte der Menschheit. Heutzutage hat die gemein-same Freude ihren Hauplsitz im Hause aufgeschlagen, dieöffentliche steht zu ihr im Verhältniss der Ausnahme zurHegel. Ursprünglich war es umgekehrt, die gemeinsameFreude war eine öffentliche, selbst bei Familienfesten, ersthu Laufe der Zeit haben sich die Feste von dem Markt-platze, der Strasse, den Hallen der llathhäuser oder denGastvvirthschaften in das Haus zurückgezogen, ein Rest der

*) Lehnwort aus lat. festus (= glänzend) vom Sanskr. bhäs,scheinen, leuchten (lat. fes, wovon fesiae, feriac = glänzende, reine,heilige Zeit). A. Vanicek, Griech.-lal.-etymol. Wörterbuch II. S. 581.