Druckschrift 
2 (1883)
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201
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Sittlicher Woith des Wohlseins. 201

Der Zustand der befriedigten Lust ist das Wohlsein.Vom einseitigen Standpunkte des Subjects aus ist Wohl-sein der letzte Zweck der Behauptung des Daseins, dasblosse Dasein ist nur der leere Rahmen, bestimmt, dasWohlsein in sich aufzunehmen der Werth des Lebensbemisst sich nicht nach dem Rahmen, sondern nach dem,was er in sich schliesst. Vom Standpunkte der Natur ausaber hat das Wohlsein noch eine ungleich höhere Bedeu-tung als die hervorgehobene einer blossen Prämie für dieBehauptung des Daseins. Wohlsein ist die Akme des Lebens,der Höhepunkt des Daseins, auf dem die Lebenskraft erstzu ihrer vollen Entfaltung gelangt und für die Zwecke derNatur verwendbar wird. Wohlsein ist Besitz der vollenKraft gebundene, für künftige Zwecke verwendbareKraft, der Beweis, dass das Individuum desjenigen Kapi-tals an Kraft theilhaftig geworden ist, welches die Naturder Gattung zugedacht hat, und dessen Zweck und Werthfür den Menschen nicht darin aufgeht, dass es ihm vor-übergehend das Gefühl der Lust gewährt, sondern dass esihm zur Ausgleichung diene für das Deficit kommenderZeiten, wie die in der Erde und im Meere gebundeneWärme des Sommers für die Kälte des Winters, ein Re-servekapital an Lebenskraft und Lebenslust, ein disponiblerFonds zur Bestreitung der Ausgaben der Zukunft dernormale Mensch muss bei der Lust die Anleihe machen,um die kommende Unlust bestreiten zu können.

Darin liegt die sittliche Berechtigung des Strebens