Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
198
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198 Ka P- IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

rückwärts in die Vergangenheit, vorwärts in die Zukunft,wodurch er fähig wird, die Erfahrungen der einen für dieandere zu verwerthen denn der Ansatz dazu findet sichauch bei Thieren, z. B. beim Hamster sondern das Or-gan des Geistes: die Sprache, wodurch er das Vermögengewinnt, seine eigenen Erfahrungen Anderen seines Glei-chen mitzutheilen die menschliche Selbsterhaltung ope-rirt mit der Erfahrung des ganzen Menschengeschlechts.

Damit ist aber das Sittliche noch nicht gegeben. DerEgoismus kann die Erfahrungen aller Zeiten und Völker,den Erfahrungsniederschlag der gesammten Menschheit fürseine Zwecke verwenden, ohne im Mindesten sich selberuntreu zu werden. Zum Sittlichen steigert er sich erst,wenn er die Einsicht gewinnt, dass seine individuelleSelbsterhaltung durch seine gesellschaftliche bedingt ist.Das ist der entscheidende Punkt, wo das Sittliche durch-bricht. Nicht also der Uebergang vom Thiere zum Men-schen, an den die individualistische Theorie das Auftretendesselben knüpft, ist der Punkt, wo das Sittliche in derSchöpfung auftritt damit ist dasselbe potenziell, abernoch nicht actuell gesetzt sondern diesen Punkt bildetder Uebergang vom Individuum zur Gesellschaft. DasSittliche ist nicht das Werk der Natur, welche den natür-lichen Menschen in die Welt gesetzt hat, so dass der Mensches bereits fertig mit zur Welt brächte, sondern das Werkder Geschichte, welche aus dem natürlichen den geschicht-lichen , d. i. gesellschaftlichen oder sittlichen Menschen