196 Kap- 'X- Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
spruch zu einander, die Natur hat den Menschen von vorn-herein zwiespältig angelegt, indem sie ihm in die eineHerzkammer den Egoismus, in die andere den Trieb zumSittlichen gelegt hat, nach unserer Auffassung dagegen er-scheint das Sittliche nur als Fortbildung des Egoismus inder Region der Gesellschaft; an Stelle der zwei Triebe,deren sie bedarf, von denen der eine völlig unerfindlichist, reichen wir mit einem einzigen, über allem Zweifelerhabenen aus, um die Gestalt, welche die menschlicheWelt an sich trägt, zu verstehen. Auf dem Gebiete desSittlichen wiederholt sich auf diese Weise derselbe Ge-danke-der Einheit und der durch ihn bedingten Entwick-lung des Höheren aus dem Niederen, der die ganze Schö-pfung durchdringt, wir haben nicht mehr nöthig, der Naturhier einen Verstoss gegen sich selber aufzubürden, densie sonst nie begangen hat, dass sie nämlich, um aus derMenschheit dasjenige zu machen, was sie beabsichtigt hat,zwei gänzlich heterogene Kräfte in Bewegung gesetzt hat.Die ganze Menschenwelt ist aus einem Gedanken zu be-greifen: Behauptung, Förderung des Lebens. Damit habenwir für die sittliche Welt zugleich die Anknüpfung an diephysische gewonnen. Ein einziger Gedanke geht durch dieganze Schöpfung hindurch: Selbsterhaltung alles Geschaffe-nen, das Anklammern alles Daseienden an das Dasein. Erbeginnt bei der todten Materie und endet mit dem Sitt-lichen. Auf der niedersten Stufe der Schöpfung: in derunorganischen Welt ist er beschränkt auf die Form des