Erstreckung des objectiv Sittlichen. 191
Vermittelst dieser Auffassung wird auch der Egoismusin seine richtige sittliche Beleuchtung gerückt. Auch erdarf sich rühmen der sittlichen Ordnung anzugehören, einvon Gott selber vorgesehenes Glied derselben zu sein, under hat, indem er das Werk verrichtet, das ihm im Welt-plane zugedacht ist, keine Ursache, sich scheu zu verkriechen,oder sich seiner selbst zu schämen. Nicht der Egoismusals solcher ist unsittlich, sondern nur das Uebermass des-selben. Auch ihn also nehmen wir in die sittliche Welt-ordnung auf, und nicht widerwillig als einen leidigen Ein-dringling, weil wir ihn einmal nicht zurückweisen können,sondern wir erkennen ihn an als den erstgebornen Sohndes Hauses, der darin sein Erstgeburtsrecht beansprucht,wir fügen nur den Vorbehalt hinzu, dass er sich der Haus-ordnung füge.
Das ist die sittliche Ordnung, und damit haben wirden ersten Theil unserer Aufgabe erledigt. Er bestand inder dialektischen Verwerthung des Begriffs des Ganzen inAnwendung auf die Gesellschaft, in dem Nachweise, dassder Begriff des Ganzen in dieser Anwendung den derOrdnung, dieser den des Gesetzes, und letzterer wiederumden des Zwanges in sich schliesst. Die empirische Be-trachtung der Gesellschaft hat ergeben, dass diese dreiPostulate innerhalb ihrer in doppelter Gestalt realisirt sind:in der des Bechts: als Bechtsordnung, Bechtsgesetz, Bechts-zwang — in der des Sittlichen: als sittliche Ordnung,Sittengesetz, socialer Zwang.