Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

190 Ka P- * x - Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

Anderer zu unserer Lebensaufgabe stärken. Auch der-jenige, welcher dieses Bad Anderen reicht, und beständesein ganzer Lebensberuf wie der des Künstlers in nichtsAnderem, als die Müden und Matten, die Gedrückten undBetrübten durch das Talent, welches die Natur ihm ver-liehen, aufzurichten, zu erfreuen und zu erquicken, aucher führt der Gesellschaft seinen Beitrag zu ihrem Gedeihenreichlich ab. Und selbst diejenigen, welche durch dieGaben ihres Geistes oder Witzes oder bloss durch ihrenFrohsinn und ihre Heiterkeit die Stimmung Anderer hebenund beleben, auch sie wirken ohne es zu wissen und zubeabsichtigen, mit an der sittlichen Ordnung, denn auchsie liefern ihre Beisteuer zur Stärkung der menschlichenKraft. Es sind Licht- und Sonnenstrahlen, die sie in einLeben werfen, das öde und düster wäre, wenn es desheiteren Sonnenscheins entbehren müsste. Wenn es einenGeist gäbe, der den Beitrag eines Jeden zum »Weltbesten«,um den Ausdruck von Kant beizubehalten, in ein Bucheintrüge und nach seinem Werth bezifferte, es wäre dieFrage, oh er nicht den leicht beschwingten Trägern derFreude einen ebenso hohen Posten gut schreiben würde,als den schwer keuchenden Lastträgern des Nützlichen,im Haushalte der Menschheit kann ein schönes Lied oderKunstwerk, das Tausenden und aber Tausenden eine Quelleder Erfrischnng und seligen Selbstvergessens wird, einenganzen Haufen von harter Arbeit für die Noth des Lebensaufwiegen.