184 KaP- 'X. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
zum Bestehen der Gesellschaft nöthig ist, bildet ein Stückder sittlichen Ordnung und fällt eben damit in den Bereichdes Sittengesetzes, da nun aber die Gesellschaft ohne dieIndividuen nicht bestehen kann, so würde auch dasjenige,was das Individuum vornimmt, um zu leben, selbst dasEssen und Trinken sich dem Gesichtspunkte des Sittlichenunterordnen. Wir würden auf diesem Wege dahin ge-langen, das gesammte menschliche Dasein nach allen seinenSeiten hin, nach der physischen, geistigen, ökonomischen,rechtlichen, dem Sittengesetze zu vindiciren und der Egoist,der lediglich seinetwegen handelt, dürfte sich rühmen, da-mit eine sittliche Handlung vollbracht zu haben — er er-hält sich der Gesellschaft.
Damit scheint es, würde das Sittengesetz sich selbervernichtet haben, denn ein Sittengesetz, das dem Egoismuseine sittliche Bedeutung zugesteht, hat sich selber negirt,sein ganzes Dasein beruht ja klar auf der früher (S. 70 ff.)nachgewiesenen Gegensätzlichkeit zum Egoismus. Und wel-chen Sinn sollte es haben, dem Egoismus noch erst durchdas Siltengesetz dasjenige vorzuschreiben, was er schonvon selbst thut?
Unsere sprachlichen Untersuchungen (S. 77 ff. 83 ff.)haben uns in Bezug auf die Handlungen des Individuumsdie Dreitheilung der sittlichen' unsittlichen und sittlich in-differenten oder erlaubten Handlungen ergeben. Damitist eine scharfe Demarcationslinie zwischen dem Egoismusund dem Sittengesetze gezogen, beide haben ihr Beich für