Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
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183
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Erstreckung des Sittengesetzes. 183

Paragraphen bringen, und selbst wenn es möglich wäre,die Befolgung derselben sich nicht controliren. Der Vor-zug des psychologischen Zwanges der Gesellschaft liegt da-rin, dass er vor keinem Lebensverhältnisse Halt zu machenbraucht, er dringt wie die Luft überall hin, in das Innerstedes Hauses wie an die Stufen des Thrones, an Stellen,wo der mechanische Zwang jede Wirksamkeit versagenwürde. Seine Schwäche liegt in der Unsicherheit seinerWirkung dem sittlichen Urtheile der Gesellschaft, deröffentlichen Meinung kann man Trotz bieten, dem Armedes Staats nicht.

So müssen also beide Arten des Zwanges zusammen-treffen, um sich gegenseitig zu ergänzen, und damit ist diepraktische Nothwendigkeit beider Ordnungen dargethan,die daher auch überall sich wiederholen; es gibt kein Volk,das ohne das Recht, und keins, das bloss mit dem Rechtausgereicht hätte.

Der Vergleich der sittlichen mit der rechtlichen Ord-nung hat uns ergeben: jene reicht weiter, als diese. Wieweit? Die Frage ist gleichbedeutend mit der der Erstreckungdes Sittengesetzes, da, wie wir oben gezeigt haben, Gesetzund Ordnung sich stets bedingen.

Also wie weit reicht das Sittengesetz? Umfasst es dasgesammte menschliche Handeln oder nur ein wenn auchnoch so beträchtliches Bruchstück desselben?

Vom Standpunkt unserer apriorischen Betrachtung aus,möchte man sagen: alles, was an menschlichen Handlungen