176 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
Verdienst hervorzuheben, sondern nur um zu constatiren,dass mein Unternehmen durch seine Arbeit nicht über-flüssig gemacht worden ist, was der Kundige zwar auchohne meine Bemerkung wissen wird, dem Unkundigenaber gesagt werden musste. Um jeden Schein der An-massung von mir fern zu halten, will ich gern gestehen,dass ich mir wohl bewusst bin, wie gering mein persön-liches Verdienst ist. Ich habe die Luft meiner Zeit ein-geathmet, ohne im Stande gewesen zu sein, über jedenAthemzug Buch zu führen, ich weiss nur, dass ich alles,was ich zu geben im Stande bin, der Zeit verdanke, inder ich lebe, und ich fühle mich nur als den Punkt, indem der Gedankenstoff der Zeit vorübergehend persönlicheGestalt angenommen hat. Die geschichtlich-gesellschaft-liche Theorie, die ich zu begründen gedenke, hing reif amBaume der Zeit, mir erübrigte nur, die reife Frucht zubrechen, womit freilich nicht gesagt sein soll, dass es dazunur des Handausstreckens bedurft hätte — ohne Leiternund Klettern ist es dabei nicht hergegangen.
Ob nicht die Frucht, die ich biete, von Manchen alswurmstichige zurückgewiesen werden wird? Wenn ichbedenke, welchem Widerstände der immerhin in beschei-denen Grenzen gehaltene Versuch von Oettingen begegnetist,*) so kann ich das Schicksal, das dem meinigen be-vorsteht, im voraus wissen. Eine andere Frage ist, ob man
*) S. seinen Bericht darüber in Bd. 2, S. 24 fl. und S. 36 ff.