Das gesellschaftliche System. — Die Gegenwart. 1 75
Literatur betritt. Es ist das Werk des Dorpater TheologenAlexander von Oettingen, die Moralstatistik und diechristliche Sittenlehre, Versuch einer Socialethik auf em-pirischer Grundlage (Erlangen, 2 Theile, 1858—74, Th. 1,Aufl. 2. 1874) ein Werk, gleichmässig hervorragend durchden Umfang und die Gediegenheit des Wissens, durch dieFülle des Stoffs, den der Verfasser von den verschiedensten,dem Theologen am wenigsten nahe liegenden Gebietenfür seine Zwecke heranzieht, wie durch philosophischenGeist, Klarheit und Sicherheit in der Durchführung derGrundanschauungen und warme, geistvolle Darstellung.Ohne dem Verdienste des Verfassers, das Niemand freudigeranerkennen kann als ich, im Mindesten zu nahe zu treten,darf ich doch die Bemerkung nicht unterdrücken, dass erdie Aufgabe in dem vollen Umfange, wie ich sie fasse,sich weder gestellt hat, noch als Theologe sich stellenkonnte. Ich glaube unser Verhältniss kurz so bezeichnenzu können, dass er von den drei oben (S. 97^8) aufge-stellten Kardinalfragen der Ethik, nur an der zweiten: dervom Zweck des Sittlichen die Richtigkeit der gesellschaft-lichen Auffassung nachzuweisen versucht, während diebeiden andern davon gänzlich unberührt bleiben; und auchin Bezug auf die zweite hat er mir noch manches zu thunübrig gelassen. Ich betone dies nicht, um mein eigenes
Bezeichnung desjenigen Theils derselben, der die gesellschaftlicheStellung des Individuums zum Gegenstande hat, dem sie dann dieIndividualelhik gegenüberstellen. So z. B. in dem System der Ethikdes dänischen Theologen Martensen.