162 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
Aber der Gedanke taucht bei ihm nur auf, wie derBlitz bei dunkler Nacht, um sofort wieder zu verschwin-den. Er gehört zu jenen phänomenalen Intuitionen desGenies, welche die fernen Ziele der Wissenschaft, die letz-tere erst auf dem langgestreckten und mühsamen Wegemethodischer Forschung zu erreichen vermag, bereits längstim Voraus erschauen — meteorartige Erscheinungen, dieaber eben darum, weil sie Meteore sind, an den Zeit-genossen unbeachtet und spurlos vorübergehen, und aufdie erst der spätere Forscher, wenn die Wissenschaft in-zwischen so weit vorgerückt ist, um das Ziel in vollemTageslichte vor sich zu haben, aufmerksam wird. Für die
mune. — In speculativis est eadem veritas apud omnes, in opera-tivis autem non est eadem veritas vel reclitudo practica apud om-nes. — Humanae rationi naturale esse videtur, ut gradatim abimperfecto ad perfectum veniat. — Ratio humana mutabilis est etimperfecta et ideo ejus lex mutabilis est. — Finis humanae legisest utilitas hominum.«
Die katholische Ethik baut auf dieser Grundlage weiter fort.Der persönlichen Mittheilung des genannten Recensenten verdankeich die Namhaftmachung eines soeben erschienen Werkes von P.Theodor Meyer: Instilutiones juris naturalis seu Philosophiae mo-ralis universae secundum principia S. Thomae Aquinatis. Pars I.Jus naturale generale continens Ethicam generalem et jus sociale ingenere, in welchem der Verfasser auch zu meinem Werke Stellungnimmt. Ich meinerseits bin leider nicht mehr im Stande, dasselbeauch in Bezug auf den mittelalterlichen Scholasticismus und dieheutige katholische Ethik zu thun und das früher Versäumte nach-zuholen, aber wenn mein gegenwärtiges Werk Erfolg haben sollte, sowird er sich auch darin bewähren müssen, dass die protestantischeWissenschaft sich die Förderung, welche sie durch die katholisch-theologische erfahren kann, zu Nutzen macht — wer sich die Beleh-rungen, welche er durch seinen Gegner erhalten kann, entgehen lässt,schädigt sich selber.