160 Kap. 'X- Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
auch diesen seinen letzten Zufluchtsort abzuschneidenund an Stelle der Individualethik die Socialethikzu setzen.
Die Ansätze dazu sind allerdings so alt wie die Ethiküberhaupt. Aber es ist wunderbar, wie die individuali-stische Ansicht sich der gesellschaftlichen gegenüber nichtbloss principiell zu behaupten vermocht hat, sondern wiesie selbst zu dem Zweck eine Bastardverbindung mit ihrnicht gescheut hat. Es ist ein Beweis für die unwider-stehliche Macht der Wahrheit, dass selbst in der Periodeder naturrechtlichen Ansicht bei der höchsten Blüthe desIndividualismus die gesellschaftliche Auffassung die Schran-ken, welche die individualistische Ethik ihr principiellgesetzt hatte, in einzelnen Aeusserungen durchbricht, diesich mit letzterer in keiner Weise vertragen, zugleich frei-lich auch ein Beweis dafür, was der menschliche Geist aninneren Widersprüchen in sich zu beherbergen vermag,und wie wenig mit der halben Wahrheit gewonnen ist.Das Schauspiel, welches uns die Wissenschaft hier aufihrem Gebiete darbietet, gleicht dem der Sonne, welche ineinzelnen Strahlen das Wolkenmeer durchbricht, das sieumhüllt — es sind eben nur einzelne Strahlen, die keineDauer haben.
Ich greife zum Beweise drei der bedeutendsten Schrift-steller der beiden letzten Jahrhunderte heraus: Leibniz,Kant, Benlham.
Wenn ich für die gesellschaftliche Theorie ein Motto