Die gesellschaftliche Theorie. — Geschichtliches. J59
stets zum ewigen Kampfe mit dem Individuum verdammtsieht, so hat sie auch auf dem theoretischen der Ethikvon jeher den Widerstand und die Auflehnung desselbengegen ihre Oberhoheit zu erdulden gehabt. Man möchtesagen, es sei der .wissenschaftliche Trotz des sich alsSelbstzweck fühlenden Individuums, welches sich demvon aussen, von Seiten der Gesellschaft herantretendenGesetze nicht fügen will, sich vielmehr mit demselbennicht anders glaubt verständigen und versöhnen zu kön-nen, als indem es dasselbe von sich aus zu gewinnen undzu deduciren versucht — der Versuch, das Ich zum Angel-punkte der sittlichen Weltordnung zu machen. Wie dieseindividualistische Auffassung sich an der Gonstruction desRechts und Staats versucht hat, wo sie in der Theorie desNaturrechts eine Zeit kurzen wissenschaftlichen Glanzesund baldigen Banquerotts erlebte, haben wir im Verlaufeunseres Werks oft bemerkt. Auf diesem Gebiete, wo essich bloss um die wissenschaftliche Gonstruction deräusseren Ordnung handelt, hat sie selber sich von ihremUnvermögen, dieselbe von ihrem Standpunkt aus zu be-schaffen, längst überzeugt und den Rückzug angetreten,auf dem Gebiete der Ethik dagegen, wo das rein Innerlicheder Gesinnung in Frage kommt, hat sie eben aus demGrunde sich länger zu behaupten vermocht, und nochbis auf den heutigen Tag ist der Individualismus aus die-sem seinem letzten Schlupfwinkel nicht vertrieben. DieAufgabe der Gegenwart und Zukunft besteht darin, ihm