Die gesellschaftliche Theorie. 157
men gerecht zu werden. Die gesellschaftliche Theorie hatfür das Individuum Raum, die individualistische aber nichtfür die Gesellschaft — das Ganze schliesst den Theil insich, der Theil, der für sich allein existiren will, schliesstdas Ganze aus. Setzt der Theil sich sein isolirtes Wohl-ergehen zum Ziel, so kann darüber das Ganze zu Grundegehen, setzt das Ganze sich sein Wohlergehen zum Ziel,so ist damit notwendigerweise die Sorge für das desTheils gegeben, denn das Ganze kann nicht gesund sein,wenn ein Theil krank ist.
Das ist die erste Ueberbilanz, deren sich die gesell-schaftliche Theorie bei der Abrechnung mit der individua-listischen rühmen darf. Es ist der wichtige Satz: die Ge-sellschaft ist verpflichtet für ihre Mitglieder zusorgen. Die individualistische Theorie ist nicht im Stande,diese Verpflichtung zu deduciren. Das Individuum, dassich selber als Zwecksubject setzt, sorgt für Andere nurinsoweit, als die Rücksicht auf sich selber es erfordert, dieVerpflichtung zur Sorge für Andere lässt sich von diesemStandpunkte nur deduciren als Reflexwirkung der Sorge fürsich selber, sie endet, wo letztere aufhört.
Die zweite Ueberbilanz der gesellschaftlichen über dieindividualistische Theorie besteht in dem idealen Lebens-ziel, das sie dem Individuum vorzeichnet, und dein hohenWerth, den sie dem individuellen Dasein zuerkennt. Nachder individualistischen Theorie dreht sich die ganze Auf-gabe des Individuums lediglich um sich selbst, es ist das