Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
155
Einzelbild herunterladen
 

Kritik der individualistischen Theorie. 155

kläglich Fiasco machen. Denn ihr Gesichtspunkt der indi-viduellen Vollkommenheit ist ein völlig vager, ein reinformalistischer, aus dem der concrete Inhalt des Sitten-gesetzes an einzelnen Normen, Pflichten und Tugenden sichdurchaus nicht gewinnen lässt und dessen schablonenhafteAnwendung auf die einzelnen Tugenden und Pflichten dieErkenntniss derselben nicht im Mindesten fördert. Er ge-hört zu jenen wissenschaftlichen Kautschucküberzügen, wieich sie früher genannt habe, die vermöge ihrer Weite undElasticität sich allem und jedem Inhalt überziehen lassen.Man hat den gesammten Inhalt des Sittengesetzes vor sichund ist sich über die Etikette: individuelle Vollkommen-heit von vornherein einig, diese Etikette wird dann jedemeinzelnen Gegenstande aufgeklebt damit ist die Arbeitgethan. Aber eine Etikette ist kein Ursprungscertificatnicht alle Hüte, die den Stempel Paris in sich tragen, sindin Paris gemacht!

Ich sohliesse meine Kritik der individualistisch-teleo-logischen Theorie mit dem Satz: vom Standpunkte des In-dividuums aus lässt sich das genetische Princip des Sitten-gesetzes, welches nur im Zweck gelegen sein kann, nichtgewinnen, und wenn nicht die Gesellschaft, sondern Gottoder die Natur es sein sollen, auf welche der Ursprungdes Sittengesetzes zurückzuführen ist, so müssen sie dabeiein anderes Ziel im Auge gehabt haben als das aus demGefühl erreichter Vollkommenheit für das Individuum sichergebende Glück. Die individualistisch-teleologische Theorie