Kritik der individualistischen Theorie. 153
tende Vergnügen oder Glück den Sporn seines sittlichenHandelns bildete. Er handelt sittlich, ohne zu fragen, obihm ein Lohn dafür in Aussicht steht. Darin hat Kantmit seiner Abwehr des Eudämonismus vollkommen dasRichtige getroffen — das Glück, welches sich an das sitt-liche Handeln knüpft, mag Folge desselben sein, undselbst eine erwartete Folge, aber selbst eine erwarteteFolge ist darum noch nicht Zweck, was ich an andererStelle darthun werde. Ein Mensch, der, um einen Andernzu retten, sich selber dem sichern Untergang aussetzt,würde einen seltsamen Weg einschlagen, um sich desGlückes, welches das Gefühl der Vollkommenheit gewährt,theilhaftig zu machen — in dem Momente, wo er es kostensoll, lebt er nicht mehr!
Sehen wir zu, ob der Satz, dass die individuelle Voll-kommenheit der Zweck des Sittengesetzes sei, an den ein-zelnen Pflichten und Tugenden die Probe besteht.
Bei den Pflichten des Menschen gegen sich selber, beiden Tugenden, die ihm selber ihre Früchte tragen: Massig-keit, Reinlichkeit, Sparsamkeit u. s. w. lSsst der Gesichts-punkt sich zur Noth noch aufrecht erhalten, aber auch nurum den Preis, dass man den des verständigen Egoismuszu Hülfe nimmt. Das angeblich Sittliche reducirt sich hierin der That lediglich auf eine Politik des Egoismus. Dassselbst diese Pflichten und Tugenden vom Standpunkte dergesellschaftlich-teleologischen Theorie aus eine ethische Be-deutung gewinnen (die des Menschen, der im Interesse der