Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
138
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138 Ka P- IX - D ie sociale Mechanik. Das Sittliche.

Ich glaube nicht nöthig zu haben, diese bloss alsproblematisch hingestellte Ansicht, von der ich nicht weiss,ob sie jemals ausgesprochen oder vertheidigt worden ist,und die ich nur des streng logischen Fortganges unsererDeduction wegen berührt habe, in Betracht zu ziehen.Sie widerlegt sich durch ihre eigene Trostlosigkeit. Siestellt das Sittengesetz hin als eine rohe nackte Nothwen-digkeit, der sich der Mensch blindlings zu unterwerfenhabe, man könnte sie die Theorie des brutalen ethischenFatalismus nennen.

Wir unsererseits halten für das Sittliche an demZwecke fest und stellen die Forderung, dass jede Theorie,wie verschieden sie auch über die Quelle oder den Ur-sprung des Sittlichen denke, uns über die Zweckfrage Redeund Antwort stehe. Ob man den Ursprung des Sittenge-setzes zurückführe auf eine unpersönliche Natur, auf einenpersönlichen Gott, welche uns dasselbe ins Herz gesenkthaben, oder mit der Lehre des Ghristenlhums auf die positivgöttliche Offenbarung oder endlich mit uns auf das ge-schichtliche Leben der Gesellschaft, jede dieser Theorienmuss die Zweckfrage beantworten, wenn sie nicht demobigen Vorwurf des ethischen Fatalismus verfallen will.

Wir haben diese Frage schon oben (S. 88 ff.) bei Ge-legenheit der sprachlichen Untersuchungen über das Sitt-liche aufgeworfen, um zu sehen, ob die Sprache daraufeine Antwort ertheilt.

Wir nehmen die Frage hier wiederum auf, indem wir