Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
137
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Zweck und Motiv des Sittlichen. 137

Benthams, der in neuester Zeit wiederum in etwas andererGestalt von Herbert Spencer aufgenommen ist, habenlediglich die Frage zum Gegenstande: warum soll ich sitt-lich handeln? Darauf antwortet die erste Theorie: der sitt-lichen Befriedigung, die zweite: der Pflicht, die dritte:des Nutzens wegen. Wenn Kant jede Zweckbeziehungdes Sittlichen als eine Verunreinigung desselben zurück-weist, so hat auch er dabei nur das subjective, nicht dasobjective Zweckmoment im Auge. Allerdings taucht letz-teres hie und da als mitwirkender Gesichtspunkt auf, soinsbesondere bei Bentham, allein es wird nirgends zumGegenstande einer eindringenden das subjective Momentschlechthin fernhaltenden Untersuchung gemacht. Ich glaubedaher zur bessern Lösung des ethischen Problems beitragenzu können, wenn ich die beiden Fragen scharf von einandersondere. Indem ich die Frage: was bestimmt das Sub-ject, oder was soll das Subject bestimmen, das Sitten-gesetz zu befolgen, dem zweiten Theile meiner Untersuchungvorbehalte, beschränke ich mich im ersten Theile streng aufdie Frage: was bezweckt, was soll das Sitteugesetz selber?Die Vorfrage ist die: ob wir dasselbe überhaupt unterdem Gesichtspunkte des Zweckes betrachten dürfen. Eswäre ja möglich, dass die Vertheidiger der nativistischenTheorie sich einfach auf die blosse Thatsache zurückzögen:das Sittengesetz ist einmal da, ganz so wie die Gesetzeder äussern Natur und die Gesetze des Denkens werwill ergründen, warum sie da sind?