Die. Ethik der Zukunft. 133
höherem Masse bewähren, er wird es lernen, durch Ver-wendung aller der Mittel, welche die Theorie der gesell-schaftlichen Bildung desselben ihm an die Hand gibt, diegesellschaftliche Erziehung des Willens zum Sittlichen ineiner Weise zu vervollkommnen, von der eine Zeit wiedie heutige, die das Ihrige redlich gethan hat, um dieMacht der sittlich bildenden Factoren, über welche dieVergangenheit gebot, abzuschwächen, und die aus demMunde eines ihrer namhaftesten Philosophen (Schopen-hauer) die Sprödigkeit und Unbildsamkeit des Willens alsphilosophischen Lehrsatz hat verkünden hören, sich keineVorstellung macht. Ich lebe der festen Zuversicht, dassdie Menschheit nicht immer schlechter, sondern immer besserwird. Aber allerdings nicht von selbst, indem sie nichtsdazu thut und sich des spontanen Wachsthums des sittlichenGeistes getröstet, sondern indem sie die Erfahrungen, Leh-ren und Warnungen der Geschichte sorgsam beherzigt undsie praktisch verwerthet.
Diese praktische Verwendbarkeit der Ethik darzuthun,habe ich mir bei meinen folgenden Untersuchungen stetsangelegen sein lassen, sie mögen als erster Anlauf zueiner Aufgabe gelten, deren wirkliche Lösung der Wissen-schaft der Zukunft vorbehalten bleibt, und durch welchedie Ethik erst des Werthes und des Ranges theilhaftigwerden wird, der ihr gebührt, und dessen nur die bis-herige falsche Behandlungsweise sie verlustig gemacht hat:des einer praktischen Wissenschaft und zwar der prak-