Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
120
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120 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

Dem Bisherigen nach bildet die Gesellschaft mithinden Angelpunkt der ganzen Ethik. Alle drei oben genann-ten Kardinalfragen derselben führen uns auf sie zurück.Was ist die Quelle der sittlichen Normen? Die Gesell-schaft. Was der Zweck derselben? Die Gesellschaft.Was die Erzeugerin des sittlichen Willens? Die Gesell-schaft.

Mit Rücksicht darauf bezeichne ich die von mir ver-theidigte Theorie als die gesellschaftliche. In dieserVollständigkeit, d. h. gleichmässig auf alle drei Fragensich erstreckend, ist dieselbe bisher noch nicht aufgestelltworden.

Zu diesem Prädikat gesellschaftlich ist als zweitesnoch hinzuzufügen: geschichtlich, der entsprechendeName für meine Theorie ist daher die geschichtlich-gesellschaftliche.

Ueber dieses zweite Moment muss ich mir verstatten,mich im Folgenden etwas weiter auszulassen.

Der Grundzug der zur Zeit noch herrschenden Be-handlungsweise der Ethik, (wobei ich zunächst nur diephilosophische im Auge habe, über die theologische werdeich mich unten äussern) ist ihr ungeschichtlicherCharakter. In diesem negativen Punkte treffen sämmt-liche ethische Theorien und Auffassungen, soweit sie zumeiner Kunde gekommen sind, überein, ich kenne keineeinzige, in der die Geschichte auf dem Gebiete des Sitt-lichen wirklich zu ihrem Rechte gekommen wäre. Ihnen