Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
119
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Geschichtliche Bildung des sittlichen Willens. 119

ist die Gesellschaft. Sie ist die Quelle alles Sittlichen.Alle sittlichen Anschauungen, Grundsätze, Normen sind erstdurch das gesellschaftliche Lehen gefördert worden und wer-den unausgesetzt durch dasselbe in jedem Individuum er-zeugt. Das ist die theoretische oder intellectuelle Seitedes Sittlichen, welche dasselbe zum Gegenstande der mehroder minder klaren, bewusslen oder unbewussten An-eignung von Seiten des Subjects macht (sittliche Erkennt-uiss, sittliches Gefühl). Ihr steht gegenüber die prak-tische oder moralische Seite, d. i. die Verwirklichungder sittlichen Grundsätze durch das Handeln, und dazubedarf es wiederum der Gesellschaft und der Anleitungund Erziehung des Willens zum Sittlichen. Das Resultatderselben: die dem Menschen zum Stücke seiner selbstgewordene Willensrichtung auf das Sittliche bezeichnetdie Sprache als die sittliche Gesinnung. Wissen undWollen des Sittlichen, das sittliche Gefühl und die sittlicheGesinnung sind das Werk der Gesellschaft.

In welcher Weise die Gesellschaft die sittliche Er-ziehung des Willens fertig bringt, welche Mittel und Wegesich ihr darbieten, um den Egoismus, der die Kraft ist,mit der sie arbeiten inuss, aus seiner beschränkten Sphäreherauszulocken, für ihren Dienst zu gewinnen und inner-lich, ohne dass er selber ein Bewusslsein davon hat, um-zugestalten, darüber brauche ich mich an dieser Stellenicht auszulassen, da es zum Verständniss des Folgendennicht nöthig ist.