Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
115
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Geschichtliche Bildung des sittlichen Willens. 115

zum Gegenstande der ernstesten, eindringendsten Unter-suchung macht, erkennt sich in meinen Augen das Prä-dikat der Wissenschaftlichkeit ab. Mag sie die Fragebeantworten, wie immerhin sie wolle, aber wenn sie dieFrage umgeht, so ist das ganze Gebäude, das sie errichtet,auf Sand gebaut und aller Aufputz mit schönen und hoch-klingenden Phrasen, an denen es nirgends weniger fehltals in der Ethik, kann nur dazu dienen, den Conlrastzwischen der Vernachlässigung der ersten fundamentalenAufgabe, der Grundlegung, und der Beschaffung diesesFlitterwerks nur um so fühlbarer und greller zu machen.

Der zweite Abschnitt der folgenden Untersuchungenhat den sittlichen Willen zum Gegenstande. An ihmhängt die praktische Wirklichkeit des Sittlichen, ohne ihnist dasselbe bloss etwas Gedachtes, Vorgestelltes, Beab-sichtigtes, nichts Wirkliches, Reales, ein Idealbild derGesellschaft von Demjenigen, was sein soll, was abernicht ist.

Woher nun der sittliche Wille? Der Theorie vomangebörrien sittlichen Gefühle macht die Frage nicht diegeringste Schwierigkeit. So leicht wie es ihr fällt, dieFrage von dem Ursprünge des Sittlichen auf die Naturabzuladen, ebenso die vom sittlichen Willen. Ihr zufolgehat die Natur uns mittelst des sittlichen Gefühls nicht blosszum Erkennen, (theoretisch-navistische Theorie),

sondern auch zum Wollen des Sittlichen ausgerüstet

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