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2 (1883)
Entstehung
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114
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114 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

bewaffneten Auge nicht wahrnehmbaren in der Luftschwebenden Pilze und Sporen hervorgerufen werden.

Das Phänomen, um das es sich bei der Frage vomsittlichen Gefühle handelt, ist ganz dasselbe. Auch die sitt-lichen Wahrheiten schweben gleich jenen Sporen in deruns umgebenden Luft, wir athmen sie ein, ohne uns dessenbei der Allmählichkeit und Unmerklichkeit dieser Aufnahmeund bei dem zu dieser Zeit noch völlig unentwickeltenZustand unseres Geistes bewusst zu werden. Wenn dieEthik sich entschliessen wird, denselben Weg der exactenBeobachtung einzuschlagen, wie die Medicin und Natur-wissenschaft, so wird sie auch zu demselben Resultategelangen, und ich lebe der festen Ueberzeugung, dasseine spätere Zeit über die Ansicht von der spontanenErzeugung des sittlichen Gefühls im Menschen ebenso ur-theilen wird, wie über die Theorie von dem spontanenAuftreten der Zersetzungsprocesse im menschlichen Körper:Irrthümer der Vorzeit, die in der Ungenauigkeil derBeobachtung ihren Grund hatten, und die nur durchMangel an Kritik so lange ihr Leben zu fristen vermoch-ten. In der Geschichtswissenschaft hat man längst er-kannt, dass die Kritik der Quellen die erste und uner-lässlichste Aufgabe des Historikers ist. Ist es nicht an derZeit, dass die Ethik sich endlich einmal derselben Pflichtbewusst wird, die Quelle, aus der sie schöpft, einerKritik zu unterwerfen? Natur oder Geschichte? EineEthik und Rechtsphilosophie, welche diese Frage nicht